Bist du noch Marke oder schon Geschichte?
„Coca Cola startet Online-Magazin Journey in Deutschland“ – kaum eine Meldung zum Launch einer neuen Unternehmenswebseite hat in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit bekommen. Doch warum dieser Big Bang-Effekt?
Coca Cola hat nicht einfach eine Unternehmenswebseite gelauncht, sie haben sie abgeschafft. Stattdessen finden Besucher ein buntes Onlineportal, das an Plattformen wie frauenzimmer.de erinnert. Produkte und Unternehmensinfos stehen nicht im Vordergrund, sie sind aber trotzdem leicht zu finden. Eine solche Umsetzung ist mutig und bislang einzigartig im deutschen Markt. Denn Storytelling und Content-Management sind nicht neu und in den letzten drei Jahren, in denen ich im Beruf bin, immer häufiger in Gesprächen mit PR- und Marketingleuten gefallen. Dennoch ist die komplette Loslösung von Produktinformationen und der klassischen Markenkommunikationen, wie wir sie bisher kannten, sicherlich ein Einzelfall und durchaus einfallsreich.
Doch was steckt dahinter? Schwarzkopf hat schon vor einiger Zeit herausgefunden, dass kaum Leute ein spezielles Shampoo oder die Marke suchen, wenn Sie mit Haarproblemen kämpfen. Seitdem gibt es auf der Webseite Frisurentipps und weitere Infos. Beispiele wie dieses zeigen uns, dass Menschen privat sowie beruflich nach Lösungen für ihre Probleme und nicht gezielt nach Produkten oder Marken suchen. Erst durch Geschichten und deren zielgruppengerechte Anpassung auf die Unternehmenswebseiten stoßen sie auf das Unternehmen selbst.
Der Weg zu einem Unternehmen, das sich auch als Content Produzent versteht, ist jedoch nicht einfach. Meiner Erfahrung nach stellen entweder organisatorische Strukturen Hürden dar oder aber das Wissen zur Umsetzung und der Mut fehlen in den Unternehmen. Organisatorische Strukturen sind oft scheinbar unüberwindbar. Oftmals helfen jedoch Geduld und viele Gespräche. Und schließlich erkennt jeder auch die Vorteile von einem Wandel in der Kommunikation. Den Loslösungsprozess von alten Strukturen und die Zeit bis eine neue Richtung eingeschlagen wird, empfinden allerdings als eine schmerzhafte Trennungsphase. Am Ende haben aber gute Geschichten einen positiven Einfluss auf alle Bereiche des Unternehmens und nicht nur auf einzelne Produkte.
Beim Wandel zu einem Inhalteanbieter geht es jetzt nicht etwa mehr darum zu lernen, wie man Social Media Plattformen bedient. Aus Sicht der PR geht es dabei darum, sein Berufsfeld immens zu erweitern und zwar um jene Eigenschaften, die bislang unsere Adressaten hatten. Um es genau zu sagen: PRler werden immer mehr zu Redakteuren, die in einem Newsroom oder einem (Online-)Magazin Geschichten entwickeln und erzählen, Redaktionspläne erstellen und Inhalte produzieren. Es muss aber nicht zwingend sein, dass wir alle Redakteure werden. Eine andere Möglichkeit, die ich eher sehe, ist die Entstehung von diversifizierteren Kommunikationsabteilungen. Während dort die klassischen PR-Leute und heute oft auch Social Media Teams ihre Kommunikationskanäle bedienen, werden künftig Redakteure und Marketer häufig Inhalte und Geschichten Hand in Hand kreieren. Letzteres ist besonders wichtig. Denn jede gute Geschichte muss zur Marke passen und baut auf deren Werten und Eigenschaften auf. Und genau dieses Zusammenspiel macht das Onlinemagazin von Coca Cola so erfolgreich.




