Vor ein paar Wochen nach einem frustierenden Fussball-Wochenende ertappte ich mich dabei, wie ich über die Parallelen der Social Media-Herausforderungen für die PR und dem Außenverteidiger nachdachte. Damit nicht ein falscher Eindruck entsteht: die Arbeit mit Social Media macht mir wahnsinnig viel Spaß, frustierend war an diesem besagten Wochenende vielmehr die Leistung zweier Außenverteidiger von der Weser, einer immerhin Nationalspieler.

Der Gedanke der Parallelen ließ mich die kommenden Wochen, teils bei der Arbeit, teils in Nachbetrachtung des Spiels nicht mehr los. Doch worin genau liegen die Gemeinsamkeiten? Eine der ersten ist das veränderte Rollenverständnis beider. Die digitale Kultur hat  vor PR-Agenturen nicht halt gemacht, es wurden neue Positionen und Aufgaben für Social Media Expertise aufgebaut. Auch das Rollenverständnis des Außenverteidigers hat sich spätestens mit der WM 2006 fundamental verändert. Die Auslöser für beide: neue Formen der Kommunikation im Netz und effektivere taktische Spielweisen.

Einfach ausgedrückt lautete bis vor einiger Zeit die Maxime des Außenverteidigers, die Bude sauber zu halten, die eigene Seite dichtzumachen, Banananenflanken wie einst von Manfred Kaltz waren die Ausnahme. Das ist passé. Nun wird von ihm erwartet, dass er sich in neue Gefilde aufmacht, offensive Akzente setzt und gleichzeitig defensiv sicher steht. Und die PR-Agentur? Bisherige Kommunikation bleibt erhalten, neue Kanäle kommen hinzu. Bindeglied zwischen Offline und Online-Gesprächen kann nur der sein, der sich in beiden Sphären sicher bewegt und parliert.

Die Effektivität eines Außenverteidigers – nebenbei erwähnt auch mein persönliches Wohlwollen gegenüber dem Spieler – hängt im Wesentlichen von einer Fähigkeit ab: der Balance zwischen defensiver Ausrichtung und offensiven Akzenten. Parallel dazu muss im Social Web sorgfältig abgewägt und analysiert werden, welche Entwicklungen schlichter Hype sind, welche langfristig bleiben und wie sie wirken. Ohne Taktik und Strategie schallt es Pfiffe von den Rängen, die Auswechslung droht.

In das Anforderungsprofil eines modernen Außenverteidigers wie Philipp Lahm – von seinen Kollegen “Wireless Lahm” gerufen – gehört aber auch eine Pferdelunge. Das blitzschnelle Umschalten von Abwehr auf Angriff, die langen Sprints an der Seitenlinie machen die Position zu einer der laufintensivsten Position auf dem Rasen. Ähnlich die Lage beim Social Media Experten: für Verständnis, Akzeptanz und Verwurzelung extern und intern bedarf es eines langen Atems und Leidenschaft.

Und das man bei oftmals harter Kritik für die Position des Außenverteidigers ebenso eine Menge Leidenschaft braucht, hab ich inzwischen auch verstanden.


Abonniere den Kommentar-Feed Kommentar | Trackback |
Tags des Eintrags: , , , ,

Timeline


Schreibe einen Kommentar