Schon vor einiger Zeit haben wir hier über den Flickr-Account der Library of Congress berichtet, die ihre Bildbestände in digitaler Form öffentlich zugänglich machte und von Internetnutzern mit zusätzlichen Informationen bestückt wurden. Eine ähnliche Initiative sind die Creative Commons, die es inzwischen seit sechs Jahren gibt. Über die Chancen und Potentiale  von Creative Commons-Lizenzen für dialoggetriebene PR im Social Web habe ich ein kurzes Interview mit Markus Beckedahl geführt, der Creative Commons in Deutschland vertritt und sich auch auf seinem Blog netzpolitik.org mit Themen der Informationsgesellschaft auseinandersetzt.

Was sind die Creative Commons-Lizenzen in einigen Sätzen zusammengefasst?
Creative Commons bietet kostenfrei verschiedene international standardisierte Lizenzen, die das Urheberrecht flexibler gestalten und Nutzungsfreiheiten gewähren. Als Urheber kann ich mir aussuchen, ob meine Werke zu kommerziellen oder nicht-kommerziellen Zwecken genutzt werden können, sowie ob sie weiterbearbeitet werden dürfen oder nicht.

Gibt es Ihnen bekannte deutsche Beispiele aus der PR, in der Creative Commons Lizenzen eingesetzt wurden?
PR ist ja ein weit gefasster Begriff. Beispiele aus Deutschland gibt es viele. Netlabels aus dem Musik- und Filmbereich (Thinner.cc oder vebfilm.de) nutzen CC erfolgreich zur Promotion und bauen darauf neue Geschäftsmodell auf. Die ATP als Tennis-Marke nutzt CC-Lizenzen für viele Bilder und Inhalte. Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace nutzen CC-Lizenzen aus moralischen und pragmatischen Gründen.

Öffentliche-Rechtliche Sender wie der NDR nutzen in verschiedenen Sendungen CCV-Lizenzen, weil sie von Mundpropaganda-Effekten profitieren wollen und sich explizit wünschen, dass ihre Inhalte auch an anderen Orten auftauchen als ihre eigenen Seiten.

Dazu muss man sagen, dass Creative Commons Lizenzen noch sehr jung sind. Das Potential wird erst langsam erschlossen, aber wir sehen immer mehr positive Beispiele.

Was ist das Potential des Einsatzes von Creative Commons für die PR?
Creative Commons Lizenzen bieten die Möglichkeit, effektiver von Mundpropaganda-Effekten zu profitieren. Das Urheberrecht verbietet standardmässig die Weitergabe von Werken, sofern nicht ausdrücklich die Genehmigung erteilt wurde. Für Nutzer ist es schwierig zu unterscheiden, ob dieses gewährt wurde oder nicht. Bei Creative Commons lizenzierten Werken ist die Erlaubnis direkt eingebaut. Gleichzeitig können z.B. Nutzer in Kampagnen und Aktionen eingebunden werden, indem sie z.B. an Remix-Wettbewerben teilnehmen und/oder eigene Ideen beisteuern.

Verliert ein Unternehmen nicht integrale Bestandteile seiner Marke, wenn es seine Inhalte zur Weiterverwendung und -verarbeitung freigibt?
Die Kontrolle über die eigene Marke ist auch ohne Creative Commons Lizenzen im Netz nicht mehr wirklich vorhanden. Schutzrechte wie das Markenrecht bleiben auch bei der Verwendung der CC-Lizenzen bestehen. Ausserdem ist es eher die Frage, wer heute noch die Marke definiert und mit Leben füllt – das Unternehmen oder die Kunden/Nutzer?

Verhindern die Unklarheiten bei dem Ausdruck “nicht kommerziell” noch den Einsatz von Creative Commons in der PR-Arbeit? Wann wird hier Klarheit bestehen? Ein Beispiel: ist “nicht profit-strebend” gleichzusetzen mit nicht kommerziell?
Nicht-kommerziell ist erstmal ein Signal, dass bei offensichtlichem Gewinnstreben nicht-kommerziell lizenzierte CC-Werke nicht benutzt werden dürfen. Passiert dies doch, ist dies eine Verletzung der Lizenz und die Mechanismen des Urheberrechts treten in Kraft. Ansonsten arbeitet Creative Commons international an einer Lösung, wie man eine genauere Definition von nicht-kommerziell hin bekommt. Für die einen bedeutet es nicht-nach-proft-strebend und für andere darf dabei gar kein Geld fließen.

Großen Auftrieb erhielt das Flickr-Commons Projekt im letzten Jahr, bei dem öffentliche Bildbestände digitalisiert und mit der Öffentlichkeit zusammen um Informationen ergänzt wurden. Bieten sich für Unternehmen ähnliche Chancen eines Dialogs bei ihrem Bild- und Videomaterial durch den Einsatz von CC-Lizenzen? Oder sind ungeklärte Bildrechte (liegen sie beim Fotografen, Produzenten bzw. sind Rechte Dritter involviert) ein Hindernis hierfür?
Ungeklärte Bildrechte sind immer ein Problem, nicht nur bei der Nutzung von Creative Commons Lizenzen. Eine wichtige Bedingung von CC ist die Namensnennung, in der Regel verbunden mit einem Link zum Urheber. Dies bietet viele Potentiale. In der Regel sind Nutzer motivierter, zum Urheber zu verlinken und/oder Werke zu remixen, wenn sie explizit die dazu Erlaubnis haben und kein schlechtes Gewissen oder Angst verspüren, in Zeiten von “Raubkopierer sind Verbrecher-Kampagnen” eine Urheberrechtsverletzung zu begehen.

Macht die zunehmende Einbeziehung von Social-Media-Aktivitäten in der PR, die immer mehr dialoggetrieben sein sollte, auch den Creative Commons-Einsatz notwendig oder beschleunigt ihn gar?
Creative Commons Lizenzen sind die richtigen juristischen Werkzeuge für vieles, was Nutzer in Dialog-Prozesse einbezieht und sie kreativ mitmachen lässt. Sie sind international standardisiert und die passende Antwort auf User-Generated Content. Das normale Urheberrecht verkompliziert alles und erfordert ein halbes Jura-Studium in der richtigen Nutzung. Das kann man niemanden zumuten.


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Kommentare ( 4 )

[...] digital dose hat Markus Beckedahl zu den Chancen und Potentiale von Creative Commons-Lizenzen für dialoggetriebene PR im Social Web interviewt. Besonders schön finde ich mal wieder sein abschließendes Fazit, ihr solltet euch aber [...]

zeitgeisty » Die Potentiale von CC für PR im Social Web schrieb am 12. Januar 2009 um 12:41

[...] daily digital dose Blog hat mich zu den “Chancen und Potentiale von Creative Commons-Lizenzen für dialoggetriebene PR im Social Web” interviewt. abgelegt [...]

Creative Commons in der PR : netzpolitik.org schrieb am 12. Januar 2009 um 13:12

Ein Interview zu Creative Commons & PR: http://tinyurl.com/7ukr8c #cc

@netzpolitik schrieb am 12. Januar 2009 um 11:26

Retweeting @antischokke: rt @netzpolitik Ein Interview zu Creative Commons & PR: http://tinyurl.com/7ukr8c #cc

@omcontest schrieb am 12. Januar 2009 um 12:39

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