Wahl im Web Monitor – 16.03. bis 27.03.2009

Wie alle 14 Tage die aktuellen Ergebnisse des Wahl-im-Web-Monitorings.

Die Top Themen der letzten 2 Wochen:

- Finale des Logowettbewerbs für Steinmeier
- Lösungsansätze gegen Amokläufe
- Die Kanzlerin bei Anne Will
- Forderungen nach politschem Klartext der Kanzlerin
- Steinmeier und Westerwelle als (mögliche) Wegbereiter der Finanzkrise

Die Top Twitterer der letzten 2 Wochen:
- Die_Gruenen
- tsghessen
- hubertus_heil
- Volker_Beck
- FDP_Fraktion

Der Aktivitätsindex
In der aktuellen Erhebung konnten nur FDP und Die Linke ihren Anteil an der Webaktivität mit ca. 5% bzw. 3% ausbauen und ihre Social Media Scores steigern. Grund hierfür ist der Zuwachs an Followern bei Twitter. Beide Parteien haben an dieser Stelle noch Potenzial.
Die CDU hält weiterhin ihren Vorsprung mit einem Social Media Score von 12,63.
Die Parteien SPD und B’90/Die Grünen haben zwar noch eine hohe Twitter-Anhängerschaft (über 5.000), aber im Verhältnis zu den anderen Parteien sind die Followerzahlen nicht mehr gewachsen. Top-Twitterer in diesem Betrachtungszeitraum sind die Profile Die_Gruenen, tsghessen, hubertus_heil, Volker_Beck und FDP_Fraktion mit den absolut meisten Zugewinnen.

Im Vergleich mit YouTube und Facebook erzielt der Kurznachrichtendienst Twitter die höchste Aufmerksamkeit, zurückzuführen auf den hohen Anstieg an Tweets bei den Parteien. Mit einer Zuwachsrate von über 26% und 349 Tweets ist Die Linke der größte Gewinner beim Gezwitscher, doch hören dies nur verhältnismäßig wenige, nämlich 504 Follower.

Webaktivitäten der Parteien

Webaktivitäten der Parteien

Anteil je Partei an der Webaktivität

Anteil je Partei an der Webaktivität

Themenindex
Auffälligstes Merkmal dieser Erhebung ist die durchweg neutrale bis negative Tonalität der ausgewerteten Kommentare zu den Spitzenkandidaten. Einzige Ausnahme bildet Oskar Lafontaine, der mit seinen Äußerungen zur ständigen Enteignung der Arbeiter durch das aktuelle demokratische System positiv kommentiert wurde.
Auch in diesem Zeitraum konnte die Bundeskanzlerin eine Vielzahl an Posts für sich beanspruchen  und ein vergleichbar hohes Involvement generieren. Gerade die Konsequenzen aus dem Amoklauf von Winnenden und ihr TV-Talk mit Anne Will wurde häufig kommentiert.
Dennoch hat einzeln betrachtet Vizekanzler Steinmeier mit seiner Ausschreibung eines Logowettbewerbs die höchste Zahl einzelner Kommentatoren erreicht; wieder einmal zeigt sich, dass die Community sich bei netzbasierten Themengebieten stärker involviert als beim politischen Tagesgeschehen.
Anders als bei der letzten Erhebung werden die im Zusammenhang mit Westerwelle diskutierten Themen größtenteils negativ wahrgenommen und kommentiert.
Die allgemeine Zahl der Nennungen der einzelnen Kandidaten (Posts) hat signifikant zugenommen. Lediglich Oskar Lafontaine stagniert derzeit.
Auswertung der Top-Themen nach Spitzenkandidat und Tonalität

Auswertung der Top-Themen nach Spitzenkandidat und Tonalität

Gesamtzahl der Posts im Umfeld der Kandidatennennung

Gesamtzahl der Posts im Umfeld der Kandidatennennung

Download der Ergebnisse als PDF: Wahl-im-Web-Monitor_090327

Twitteschön: Auch deutsche Promis entdecken Twitter für sich

Während der neue Kurznachrichtendienst bei US-Celebrities (Top 10 der US Twitter-Prominenz) schon jetzt total beliebt ist, bleibt das Potenzial in Deutschland noch weitestgehend ungenutzt. Gut, Reiner Calmund und Angelika Express twittern bereits. Bisher twitschert aber kein deutscher Star so exzessiv wie beispielsweise Ashton Kutcher und Demi Moore.

Dabei geht es vor allem um Spaß. Auf 140 Zeichen gepresste Belanglosigkeiten können Verfasser und Leser den Alltag versüßen. Und gerade von Promis wollen wir wissen, was sie den ganzen Tag tun. Und darüber hinaus: So viele bekannte Persönlichkeiten hätten auch tatsächlich etwas Interessantes zu sagen und könnten zusätzlich ihren Status nutzen, um selbst die Kontrolle über die News zu übernehmen, die sie über sich lesen wollen.

Als Twitter-Neuling gilt auch die Band Tomte, die seit Freitag von ihrer Deutschlandtour berichten. Erster Tweet: „Ich haette gerne ein glas twittengelee“. Der neue Kommunikationskanal ist “in erster Linie Spaß“, und „gibt der Band den gewissen Faktor X“, sagt Tomte Frontmann Thees Uhlmann.

Tomte testet das G1 auf Frühlingstour

Weber Shandwick begleitet Tomte beim Start in die Twitter-Welt und stattet die Jungs mit dem T-Mobile G1 aus. Mit dem Internet-Handy kann immer und überall via Twidroid getwittert werden. Zum Auftakt gibt’s ein Tomte Video mit Twitterlesson und Einführung in die Bedienbarkeit des T-Mobile G1.

Das Web, das Fernsehen und das Soziale…

Einer macht es gerade mal wieder vor oder nach – Markus Kavka. Mit seiner Serie “Kavka vs. The Web”, die über das Portal myspace läuft, versucht der multitalentierte Moderator das Internet, die Welt außen herum, seine Kernkompetenz Musik und Social Media unter einen Hut zu bringen.

In den wöchentlichen Folgen (Start war der 26. Februar), von denen bis zum 22. Mai jeden Freitag eine geplant ist, stellt Kavka zunächst eine Band vor und interviewt dann einen “Myspaceler der Woche”, wodurch die Community der Plattform direkt eingebunden wird. Bewerbungen für das Erscheinen im Video können dann praktisch einfach über die Kommentarfunktion abgegeben werden. Dass man zuerst mit “Kavka vs. The Web” befreundet sein muss, um Einträge auf der Pinnwand zu hinterlassen ist sicher Kalkül und gleichzeitig clevere Nutzug der Verlinkungsfunktion. So funktioniert Social Media nun mal.

Die Kategorie “Gaga 2.0″  zeigt, wer sonst noch versucht Aufmerksamkeit zu erlangen. Videos oder Personen, die den Humorpunkt der Redaktion mit wenig sinnvollen dafür unverständlichen oder schlicht zufällig genialen Ideen treffen, finden sich hier schnell wieder.

2009 – Odyssee im Schaltraum – Kavka vs. The Web 3. Folge

Die Resonanz auf der Seite ist sehr gut. Knapp 3000 Freunde hat der Moderator mit seiner Show bereits gefunden. Diese loben fast ausschließlich, kommentieren fleißig und bewerben sich um einen Platz in der Show für ihre Selbstdarstellung.

Bleiben die Fragen, was Markus Kavka mit diesem Format vorhat und wie gut er das Web 2.0 nutzt, um sich zu präsentieren? Das Format ist in jedem Fall dem Kanal angepasst. Irgendwie schräg, zum Teil merkwürdig und mit einem Humor, der stark zielgruppenspezifisch selektierend wirken kann. Etwas erinnert der Versuch an Christan Ulmen. Dieser setzt zwar mit Ulmen.tv inhaltlich auf ein völlig anderes Konzept, hat aber einen ebenso selektiven Humor und konzentrierte seine Aktivität nach dem Scheitern im TV ausschließlich aufs Web. Mit einem so riesigen Erfolg, dass die Show es wieder zurück ins massenkompatible Medium Fernsehen schaffte.

Im Fernsehen ist Kavka schon lange präsent und erfolgreich wie eigene Shows auf MTV schon seit Jahren zeigen. Im Netz ist er auf seiner myspace-Seite, einer Website und mit einer DJ-Seite präsent. Diese ziehen eine große und aktive Community an. Der Versuch der Vermischung von Social Web, TV, Musik und einer gewissen Ironie in der Darstellung gelingt bisher sehr gut. Inhaltlich nicht immer ernst zu nehmen, aber als Format durchaus mit Potenzial verschiedene Gattungen ernsthaft und erfolgreich zu verbinden.

Übrigens: Am 21. April wird die Pilotsendung des Magazins “Kavka” auf dem ZDF Infokanal und als Livestream auf zdf.de zu sehen sein. Zum Thema ”Arbeit ist das ganze Leben?” diskutiert Kavka live aus einem Berliner Club mit den Gästen. Das Besondere daran? Auch hier spielt der Moderator die Social Media-Karte: Via Skype-Webcam können sich die Zuschauer live auf den Bildschirm schalten lassen und mitdiskutieren. Man darf gespannt sein.

Wahl im Web Monitor – 03.03. bis 16.03.2009

Die Ergebnisse des aktuellen Wahl-im-Web-Monitors.

Die Top-Themen der letzen 2 Wochen

- Steinmeier und seine Schirmherrschaft des Linux-Tages 2009
- Oskar Lafontaine zum „brutalen Kapitalismus“
- Merkel und Schwarzenegger eröffnen CeBit
- Steinmeier auf Wählerfang in Merkels Bundestagswahlkreis
- Merkel nutzt Winnenden um Wählergunst zu gewinnen

Aktivitätsindex
Die FDP ist der Gewinner der vergangenen 14 Tage, mit einem Anstieg der Social Media Aktivität von 19,6%, dicht gefolgt von Die Linke. Mit hohen Social Media Scores bleiben die Koalitionsparteien Spitzenreiter, obwohl die SPD etwa 2% ihres Anteils an der gesamten Webaktivität im Social Web eingebüßt hat. Die Umstellung des SPD YouTube Accounts auf „Wahlkampf `09“ hat eine geringere Anzahl der Videoclips zur Folge. Das wirkt sich letztlich auf den Social Media Score aus. Die CDU konnte dagegen ihre Vorreiterrolle festigen. Die Linke engagiert sich stärker und wird bei Facebook und Twitter aktiver, sichtbares Zeichen ist die Zunahme an Profilen (z.B. „Oskar Lafontaine“). Die Linke ist auch im Web 2.0 angekommen.

Durch die in der letzen Woche erfolgte Umstellung des Facebook-Layouts wird nun die Summe aller Aktivitäten eines Profils erfasst (Pinnwand), wie z.B. Notizen, Fotos, Veranstaltungen und weitere Posts der Kandidaten. Daher ist bei allen Parteien ein hoher Anstieg der Facebook-Kurzmeldungen zu erkennen.
Aktivitäten der Parteien im Social Web

Politische Aktivitäten im Social Web

Webaktivitäten der Parteien in %

Webaktivitäten der Parteien in %

Themenindex
Auffälligstes Merkmal der aktuellen Erhebung ist der deutliche Anstieg an einzelnen Kommentatoren zu den jeweiligen Spitzenkandidaten der Parteien. Das Engagement im Social Web ist mit den aktuellen Themen insgesamt gestiegen. Nur Künast und Trittin konnten verhältnismäßig wenige Kommentatoren für ihre Themen aktivieren.
Der Anteil der Posts, in denen die Bundeskanzlerin genannt wurde, nahm um 7% zu. Zurückzuführen ist das auf die Topthemen CeBit und Amoklauf von Winnenden. Beachtung fand auch Steinmeiers Veranstaltung in Merkels Wahlkreis.
Auffällig ist bei Außenminister Steinmeier das Verhältnis der Anzahl der Posts zur Anzahl von Kommentatoren. Die Themen von Steinmeier haben die Social Community am stärksten involviert. Dennoch ist bei Merkel und Steinmeier das hohe Involvement der Social Community inhaltlich eher neutral bis negativ zu bewerten.
Die Opposition konnte mit einigen Themen bei der Social Community positive Resonanz erzeugen. Mit seinen Forderungen zur Lohnpolitik und Finanzkrise hat Oskar Lafontaine auffällig viele Kommentatoren mit positiven Beiträgen für sich aktiviert.
Auswertung der Top-Themen nach Spitzenkandidat und Tonalität

Auswertung der Top-Themen nach Spitzenkandidat und Tonalität

Gesamtzahl der Posts im Umfeld der Kandidatennennung

Gesamtzahl der Posts im Umfeld der Kandidatennennung

Das Monitoring zum Download
- Das aktuelle Monitoring als Datei: Wahl-im-Web-Monitor 090316
- Zum Vergleich das Monitoring vom letzten Mal:  Wahl-im-Web-Monitor 090302
Die nächste Auswertung wird in 14 Tagen veröffentlicht, die Interpretation der aktuellen Ergebnisse folgen noch diese Woche.

The Digital Divide – Superwahljahr und Social Media Hype

Nur wenige Tage nach dem Launch des Wahl-im-Web-Monitors greift Weber Shandwick erneut das Thema Wahlen auf und diskutiert im aktuellen Pirsch-Newsletter [PDF bald auf slideshare.net], was die deutschen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2009 (die Sonntagsfrage) in Betracht ziehen könnten, um an die Social Media Leistungswerte und Strategie der Presidential Election 08 in Amerika heranzukommen. Ein langer Weg, denn Barack Obama hat eindrucksvoll vorgemacht, wie man durch präzise Zielgruppenansprache und ein einheitliches Leitbild die Wähler hinter sich bringt, zur Wahl motiviert – und dabei mit Esprit und Ehrlichkeit glänzt.

In der Pirsch wird beschrieben, welche Chancen und Gefahren für die deutschen Politiker bestehen und wie sich der Status Quo digitaler Medienarbeit unserer Kanzlerin Angela Merkel darstellt. Darüber hinaus soll mit überraschenden Thesen und Fakten das Nachdenken und Diskutieren zu den Parteien und ihren Kommunikationsstrategien angeregt werden.

Die Pirsch, ursprünglich ein interner Newsletter, erscheint ab sofort alle zwei Monate auf www.pirsch-webershandwick.de. Weber Shandwick teilt darin Erkenntnisse aus der (eigenen) Marktforschung und Learnings aus der Arbeit im digitalen Raum. Machen wir uns auf die Pirsch nach den Themen von morgen!

link dose 12.03.2009

RegentageUmgang mit Social Media bei B2B-Entscheidern
Auf den ersten Blick ernüchternd: Der Forrester-Typologie zufolge verhält sich der Großteil der Befragten passiv. Andererseit beobachten diese “Spectators” mit überwältigender Mehrheit Blogs, Foren und User Generated Content, 69 Prozent auch für B2B-Kaufentscheidungen.

Die Top50 Publicity-Stunts
Auch wenn ich kein Freund von Top-Listen bin, diese ist immer wieder interessant.

Sprechen wir demnächst vom “Dunbar-Zirkel”?
Ein aufschlussreicher Artikel im Economist über natürliche Grenzen des virtuellen Freundeskreis in Social Networks.

Deutsche Politiker tun sich weiterhin schwer mit der Kommunikation über Blogs
Ein Interview über politische Blogger und den Wahlkampf 2009 mit Dr. Jan Schmidt vom Hans-Bredow-Institut.

Foto unter CC SA 2.0 von DeaPeaJay

Was wird aus “GRÜN”?

Die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise zieht immer größere Kreise und hat Auswirkungen auf alle gesellschaftlichen Bereiche. Topthemen wie Corporate Responsibility rücken scheinbar in den Hintergrund. Allerdings zeigt sich gerade jetzt, welches Unternehmen es ernst meint mit seiner gesellschaftlichen Verantwortung – dies betrifft neben Ökonomie und Verhalten gegenüber Mitarbeitern – im Schwerpunkt auch die Ökologie. Dass CR zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen kann, ist allgemeiner Konsens und mit seiner Safeguarding Reputation™ Studie hat Weber Shandwick bereits 2006 den bedeutenden Einfluss von CR auf die Reputation eines Unternehmens nachgewiesen. Warum insbesondere “green business” gestärkt aus der Krise hervorgehen wird, erläutert UK-Kollege Brendan May, Managing Director Planet 2050, in einem aktuellem Beitrag.

Wohin mit Social Media im Unternehmen?

Wer ist in Unternehmen eigentlich zuständig für Social Media? Viele Unternehmen verweisen reflexartig an PR und Marketing. Aber ist das ausreichend? Vergangenen Montag habe ich mit meiner Kollegin Leslie Gains-Ross bei einer Veranstaltung in München zum Thema Online-Reputation referiert. In der anschließenden Diskussion wurde schnell deutlich: Viele Kommunikations-Abteilungen fühlen sich mit dem Thema Social Media allein gelassen und fragen sich, wie sie Struktur bringen sollen in die Kakophonie an Stimmen aus dem Netz.

Ist PR zuständig? Zuständig für hunderte von Twitterposts in denen die eigenen Markennamen vorkommen, für das Screening von Blogposts, das Monitoring von Foren und die Pflege von Facebook oder MySpace Seiten? Wer kümmert sich um die Beschwerden, wer ums Lob? Wo wird ein Eingreifen erforderlich und von wem sollte eingegriffen werden?

Die Antwort: Ja, natürlich! Aber nicht allein!

Die neuen Formen von Kommunikation und die Vielzahl von Kanälen, die in ganz unterschiedlichen Kontexten mit sehr, sehr viel Content befüllt werden, können nicht lediglich einer Abteilung zugeordnet werden. Dennoch kommt der PR eine Schlüsselrolle zu, denn die Berufskommunikatoren müssen sich schon seit längerem mit dem Thema des Wandels in den Medien beschäftigen. Sie sind es, bei denen Rat gesucht wird wenn es um die Do’s und Dont’s der Online-Kommunikation geht. Denn hier wird zurecht die Dialogkompetenz des Unternehmens vermutet. Aber: Was nutzt der Social Media erfahrene Unternehmenssprecher, wenn die Rechtsabteilung ohne sein Wissen Abmahnungen an Blogger verschickt? Wie kann die Unternehmenskommunikation auf Anfragen aus dem Social Web reagieren und eigene Akzente setzen, wenn sie nicht von Beginn an in Kampagnen der Marketingabteilung eingebunden ist?

Neue Prozessstrukturen, neue interne Kommunikationswege sind notwendig. Hier besteht der große Beratungsbedarf in den Unternehmen, den die Relevanz von Social Media ist den meisten Marketeers und vielen CEOs durchaus bewusst. Der Wunsch nach innovativem Marketing will ebenfalls bedient sein, und sei es oft genug nur, um den Hype zu nutzen. Für den langfristigen Erfolg von Unternehmen aber ist es notwendig, Social Media in die DNS der Unternehmung zu integrieren, alle Mitarbeiter fit zu machen für den Umgang mit YouTube, Flickr & Co. Das setzt Potentiale frei (denn Mitarbeiter, die sich in die Lage versetzt fühlen, als Botschafter ihres Unternehmens aufzutreten, werden das auch tun) und minimiert Risiken. Schließlich ist nicht allen klar, wie transparent das Netz tatsächlich ist und das man mit einem gut gemeinten Kommentar an der falschen Stelle mehr Schaden anrichten kann, als Nutzen zu stiften …

Wahl im Web Monitor – 17.02.2009 – 02.03.2009

Aktivitätsindex

Bei allen Parteien ist für die vergangenen 14 Tage ein starker Zuwachs in ihrer Webaktivität zu erkennen. Stark gewachsen ist Die Linke mit ca. 47 %. Das liegt vor allem am Twitterprofil „linksfraktion“. Trotzdem hat Die Linke mit nur 5,4 % geringen Anteil an der gesamten Webaktivität der Parteien, hier besteht Optimierungspotenzial.
Vorreiter ist nach wie vor die CDU mit einem Social Media Score von fast 11. Größte Zuwächse waren hier Twitter und YouTube. Die FDP hat Nachholbedarf bei der Aktivität in ihren Kanälen.

Aktivitäten der Parteien im Social Web

Aktivitäten der Parteien im Social Web

Webaktivitäten der Parteien in %

Webaktivitäten der Parteien in %

Themenindex

Im Vergleich zur letzten Erhebung legte die Zahl der Erwähnungen der oppositionellen Spitzenkandidaten deutlich zu. Die Themen mit Bezug zu Bundeskanzlerin und Vizekanzler haben im Verhältnis dazu jedoch mehr Kommentatoren aktiviert.
Das Überthema Wirtschaftskrise wird nur gering kommentiert, der „ZDF-Problemfall Brender“ involvierte die Community am stärksten (41 Kommentatoren). Ebenso erhielt die Diskussion um Arbeit für 4,50 € sowie die Diskussion um die „Dresdner Erinnerungstage“ hohe Aufmerksamkeit.
Das Social Web kommentiert sich selbst: Bei den Themen zu Frank-Walter Steinmeier stehen Kommentare zu seinen vergebenen Twitter-Chancen und dem öffentlichen Logo-Wettbewerb im Vordergrund.
Auffällig ist, dass Merkel und Steinmeier im aktuellen Betrachtungszeitraum zunehmend negativ kommentiert wurden. Die Auftritte der Opposition beim Politischen Aschermittwoch führten nur zu wenigen positiven Kommentaren.

Auswertung der Top-Themen nach Spitzenkandidat und Tonalität

Gesamtzahl der Posts im Umfeld der Kandidatennennung

Das Monitoring zum Download

Die nächste Auswertung wird in 14 Tagen veröffentlicht.

Ein Corporate-Twitter macht noch keinen Social Media-Sommer

Alle warten sehnsüchtig auf den Frühling, und in Vorfreude twittert es wild über das Internet. Besonders laut wird gerade in Agenturen diskutiert, wie und ob Corporate Twitter ein valider Weg zu Kunden und Nutzern ist. Wir bei Weber Shandwick haben mit dem T-Mobile G1 Twitter unseren Anteil daran.

Auch wenn wir Twitter für uns und unsere Kunden einsetzen, sind beileibe nicht alle kursierenden Corporate Twitter-Ansätze gut für die langfristige Akzeptanz von Twitter als PR-Kanal. Es entstehen beängstigend viele Corporate Twitter-Konzepte, die besser Pressemitteilungen geblieben wären. Zu oft haben die Twitter-Ansätze keine Substanz und Strategie, sie diskreditieren letztlich den Corporate Twitter.

Die Corporate-Twitter-Inflation ist symptomatisch für den derzeitigen Wandel in der PR und den Agenturen. Denn wer heutzutage Social Media nicht im Leistungsportolio stehen hat, gilt bestenfalls als antiquiert, schlimmstenfalls dem Untergang geweiht. Bei aller Begeisterung über die neue Medienwelt: Wirklich sinnvolle Ansätze funktionieren eigentlich nur, wenn nicht nur mehrere Social Media-Kanäle bespielt, sondern zudem auch auf das engste mit den Old School-PR-Aktivitäten verzahnt werden. Wir bei Weber Shandwick sprechen dann von Inline, einer ganzheitlichen Betrachtung von Zielgruppen, deren Medienverhalten und der daraus resultierenden Ansprache von offline bis online.

Für den Launch des T-Mobile G1 in Deutschland haben wir nicht nur Twitter eingesetzt, sondern mit einem Themenblog einem Newsaggregator und einem Blogger-Event sowie Auftritten auf den Branchenveranstaltungen den Diskurs im Social Web aufgenommen. Einher gingen klassische PR-Maßnahmen wie Pressekonferenz, Testgeräte-Previews und Medienkooperationen. Twitter darf nicht Selbstzweck sein, sondern nur Teil eines wohlabgestimmten PR-Instrumentariums. Und das wird im Twitter-Hype zu oft ausgeblendet.

Ein Corporate-Twitter macht noch keinen Social Media-Sommer – aber Lust auf mehr.