Wahl-im-Web-Monitor Spezial
Sechs Monate nach dem Start des Wahl-im-Web-Monitors und fünf Wochen vor der Bundestagswahl 2009 ist es Zeit, ein vorläufiges Resümee zum Online-Wahlkampf 2009 zu ziehen. Angela Merkel lächelt uns auf Facebook entgegen und Frank-Walter Steinmeier erzählt von der neuen Kampagne auf Twitter, doch diese Impressionen beantworten nicht die zentrale Frage: welchen Effekt hat diese Social Media-Aktivität wirklich auf den Wahlausgang? Was ist nach dem Obama-Social-Media-Hype in Deutschland übrig geblieben? In der Spezialausgabe des Wahl-im-Web-Monitors schauen wir uns genauer an, welche Effekte die Social Media-Gehversuche der Parteien hatten und wagen einen Ausblick darauf, wie man die klassische Markt- und Meinungsforschung durch das Social Media-Monitoring in Echtzeit ergänzen kann.
Das Ergebnis als PDF: wahl-im-web-monitor-spezial.pdf
Wahl-im-Web-Monitor zur Bundestagswahl 2009 – 1.08.2009 bis 14.08.2009
Wie alle zwei Wochen das aktuelle Wahl-im-Web-Monitoring zur Bundestagswahl.
Die Top Themen der letzten zwei Wochen
- SPD stürzt auf tiefsten Umfragewert in ihrer Geschichte
- Ulla Schmidt trotz Dienstwagen-Affäre im Kompetenzteam
- Urheberrechtsstreit um Schäuble-Plakat geht nicht vor Gericht
- Merkel besucht Freiburg während ihres Wahlkampfes
- Steinmeier verteidigt seinen Deutschland-Plan
Die Top-Twitterer der letzten zwei Wochen
- Die_Gruenen
- cdu_news
- FDP_Fraktion
- hubertus_heil
- Linksfraktion
Aktivitätsindex
In 40 Tagen entscheidet sich, wer Deutschland für die nächsten vier Jahre regieren wird. Den Parteien wird langsam bewusst, dass sie sich in der heißen Phase des Wahlkampfs befinden, weshalb sie sich auch in den Social Media um starkes Wachstum bemühen. Das Mittel der Wahl in der aktuellen Erhebung war der überwiegende Einsatz der Internet-Community Facebook. Abgesehen von der Linken traten alle Parteien verstärkt mit ihren Wählern in Kontakt und versorgten sie über die Kurzmitteilungsfunktion mit Neuigkeiten aus erster Hand. Durch das gestiegene Web-Aufkommen wurde es in der aktuellen Analyse für die Parteien schwieriger, ihren Anteil an Webaktivität zu halten oder gar weiter auszubauen. Die CDU steigerte ihren Anteil um ein Prozent auf 33 Prozent. Ebenso gelang der Linken eine Steigerung: Mit 7,4 Prozent Anteil an Webaktivität liegt sie weiter an vierter Stelle. Während die Grünen ihre Position festigten, verlor die SPD fast zwei Prozent. Auch die FDP musste ein Prozent ihrer Webaktivität abgeben.
Themenindex Parteien
Auch die Betrachtung der Blogpostings im Parteienumfeld spiegelt das gestiegene Interesse an der Bundestagswahl wider. Allein der SPD gelang es, die Zahl der Internet-Postings, die sich mit den Sozialdemokraten befassen, fast zu verdoppeln. Mit knapp 9.500 liegt sie nun nahezu uneinholbar vor der Union. Betrachtet man aber das durch die Postings generierte Involvement der Web 2.0-Community zeigt sich ein desaströses Bild: Zum dritten Mal in Folge ernten die Sozialdemokraten eine negative Tonalität für die am meisten diskutierten Themen. Der unaufhaltsame Absturz in den Umfragen, die Dienstwagen-Affäre um Ulla Schmidt und Münteferings Äußerungen zur Qualität der Wählerumfragen können die User nicht überzeugen. Nicht besser aber die CDU: Die Auslieferung von Waffenlobbyist Schreiber und der Streit um die Plakate von Vera Lengsfeld stoßen bei den Usern auf Kritik. Lediglich der Urheberrechtstreit um die Schäuble-Plakate ist überwiegend neutral besetzt. Zwar gelingt es den Grünen nicht, die Zahl ihrer Fürsprecher im Netz zu steigern, doch können sie mit der Forderung einer besseren Entlohnung für Erzieher und der Kritik an den Journalismuspraktiken der Leichtatlethik-WM punkten. Sexismus und Rassismus auf ihren Wahlplakaten sorgt hingegen für Entrüstung. Schlecht läuft es für die Linke, die ebenfalls in tiefem Rot versinkt
Themenindex der Kandidaten
Kanzlerkandidat Steinmeier gelingt es in dieser Erhebung zum ersten Mal, mehr Posts in seinem Umfeld zu sammeln als Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ingesamt befassten sich 3.689 Blogpostings mit ihm, die von 822 Usern kommentiert wurden. Der überwiegende Teil der Kommentare setzt sich kritisch mit dem Kanzlerkandidaten auseinander. Sein Deutschland-Plan wird von den Usern als unrealistisch aufgefasst, ebenso wie sein Versprechen, vier Millionen neue Jobs zu schaffen. Der Kanzlerin gelingt es im Gegensatz dazu, die Mehrzahl der User zu Fürsprechern zu machen. Der angekündigte Wahlkampfauftritt in Freiburg, die Absage an einen Einwanderungsstopp und ihre Beliebtheit bei jungen Wählern kommt gut an. Eine deutliche Steigerung der Postings konnte FDP-Chef Guido Westerwelle verzeichnen. Zusätzlich gelingt ihm mit dem Vorschlag, den Mehrwertsteuersatz auf Energie zu senken und dem Ausschluss einer Ampel-Koalition ein positives Involvement. Die Spitzenkandidaten der Grünen, Trittin und Künast, konnten zwar ihre Präsenz im Web 2.0 steigern, aber lediglich die Podiumsdiskussion mit Claudia Roth freut die User. Schlecht steht auch Spitzenkandidat Lafontaine da: Alle Themen in seinem Umfeld erhalten ein negatives Feedback der Community.
Die aktuellen Ergebnisse des Wahl-im-Web-Monitors können hier abgerufen werden: Wahl-im-Web-Monitor 14. August 2009
Die Großen Marken im Social Web
Interessante Zusammenstellung von Cases großer Marken und deren Aktivitäten im Social Web.
Den Report gibt es hier,von ENGAGEMENTdb.
via XEIT
Social Media-Wüste im Healthcare-Marketing in Deutschland?
Alle reden über Social Media, auch im Gesundheitsbereich ist es oftmals Thema in Diskussionen, manchmal sogar hitzig. So weit so gut, es wird scheinbar viel darüber nachgedacht.
Aber sprechen Sie denn Social Media? Viele unserer Kunden aus anderen Bereichen nutzen den neuen Kanal bereits, um direkt mit ihren Zielgruppen in der Sprache Twitter, Blog oder Widget zu kommunizieren. Die finale Entscheidung für Social Media hängt letztlich davon ab, wie man die Chancen und Risiken abwägt. Aktuell sind in Deutschland fast 70 Prozent online und alle Zielgruppen auf verschiedenen Portalen vertreten, so auch zum Beispiel die Generation 50+, der man noch immer gerne diese Affinität abspricht.
Patienten tauschen sich auf Online-Communities aus und greifen verschiedenste Themen auf. Häufig werden auch Arztaussagen oder Behandlungsmaßnahmen kritisch hinterfragt. Und wenn wir ehrlich sind: Wer hat noch keine Symptome, eine Krankheit oder ein Medikament gegoogelt? Wie die in den USA durchgeführte ethority-Studie zeigte, informieren sich 59 Prozent der Befragten in den unterschiedlichen Internetangeboten zum Thema Healthcare, bevor sie zum Arzt gehen – eine erstaunliche Zahl, deren Entwicklung sicherlich auch auf den deutschen Markt übertragbar ist. Der deutsche Markt ist hier noch von großen Gesundheitsportalen wie netdoktor.de dominiert, doch auch hier lässt sich vermehrt Web 2.0 finden. Laut der Befragung gewinnen insbesondere Social Media-Offerten, wie Foren, Blogs und Social Communities vermehrt Zuspruch bei den Usern. Fast jeder Dritte in der Befragung nutzte für sich die Vorteile der nutzergenerierten Medien im Bereich Gesundheit.
Hier verbirgt sich großes Potenzial, aber der deutsche Healthcare-Markt hinkt den anderen europäischen Ländern und dem US-Markt hinterher. Nicht ganz unverständlich, da die Gesundheitsindustrie durch das deutsche Heilmittelwerbegesetz weder Produktnamen noch den Wirkstoff außerhalb der medizinischen Fachkreise nennen darf.
Was Kunden aber tun können und auch sollten ist, Social Media und den Austausch mit der Zielgruppe zu nutzen, um über die Erkrankungen an sich oder zum Beispiel gesundheitspolitische Themen und Inititiativen zu sprechen. Einige deutsche Pharmaunternehmen nutzen bereits Twitter und Blogs, um sich direkt mit ihrer Zielgruppe auszutauschen. Eine Einschätzungen meiner europäischen Kollegen zu dem Thema unter anderem finden Sie hier:

Weber Shandwick 33&1/3 RPM Issue 2 (PDF)
link dose 12.08.2009
Grafische Grabenkämpfe
Die Reform des amerikanischen Gesundheitssystems – ein gutes Beispiel, wie mit Visualisierungen und Grafiken Stimmung gemacht werden kann.
Zwitschern im Sport
Oliver Fritsch beschreibt ausführlich bei ZEIT online den Trend im Sport, Twitter als direkten Draht zum Fan einzusetzen. Die Verhaltenscodize amerikanischer NFL-Clubs sehen das allerdings nicht mehr vor.
Social Media Monitoring und Sentiment Tagging
Einer der wichtigsten Bedingungen für ein aussagekräftiges Social Media Monitoring: ein funktionierendes Sentiment-Tagging. Unser Anbieter Radian6 hat dazu im Blog gute Hilfestellung gegeben.
YouTube Reporters’ Center
Anleitungen und praktische Tipps für die journalistische Arbeit unter anderem von Katie Couric, Bob Woodward und Ariana Huffington.
Sind 30 Minuten für Pitch-Unterlagen zuviel verlangt?
Diese provokante Frage stellte die amerikanische Agentur Ignited, die sich am Pitch für Zappos beteiligt und die Pitch-Unterlagen auf einen Blog stellt. Haken und No-Go dabei: Ignited misst per Google Analytics unbemerkt die Verweildauer von Zappos und macht sie öffentlich.
Neue Offensive von Facebook
Nachdem Facebook den Lifestreaming-Dienst Friendfeed (und vor allem das Entwicklerteam) aufgekauft hat, wurde nun die Suche überarbeitet. Ähnlich wie bei Twitter ist die Suche nun auf die Status-Updates des gesamten Netzwerks ausgeweitet – vorausgesetzt die Profileinstellungen des einzelnen Users erlauben dies.
Foto unter CC SA 2.0 von Linking Paths
Wahl-im-Web-Monitor zur Bundestagswahl 2009 – 18.07.2009 bis 31.07.2009
Wie alle zwei Wochen das aktuelle Wahl-im-Web-Monitoring zur Bundestagswahl.
Die Top Themen der letzten zwei Wochen
- Ulla Schmidts Dienstwagen auf Spanienreise gestohlen
- Andrea Nahles wünscht sich Wahnsinnsaufholjagd für die SPD
- Saarlands Ministerpräsident sieht Nachbesserungsbedarf bei MwSt
- Grüne fordern Fahrsicherheitstest für Rentner
- Steinmeier präsentiert Kompetenzteam
Die Top-Twitterer der letzten zwei Wochen
- Die_Gruenen
- FDP_Fraktion
- CDUCSU
- hubertus_heil
- gruene_jugend
Aktivitätsindex
Knapp drei Monate vor der Bundestagswahl liegt die CDU in den Social Media beinahe uneinholbar vorn. Der Union gelang es in der Erhebungsphase, die Zahl ihrer Facebook-Unterstützer um 10 Prozent zu steigern. Deutlicher Gewinner ist Kanzlerin Merkel, die mit mehr als 13.000 Fans fast drei mal so viele User begeistert wie Herausforderer Steinmeier. Die SPD musste leicht Webaktivität abgegeben und reiht sich hinter den Grünen auf Platz drei ein, welche leicht ebenso etwas verloren. Besonders hervorzuheben ist die Twitteraktivität der Grünen, die mit 11.503 Followern die Statistik anführt. Die Liberalen bauten auch in dieser Analyse die Präsenz in den Social Media aus und konnten den Anteil ihrer Webaktivität etwas steigern. Der Linken gelang es in den Communities erneut zu wachsen, sie liegt jedoch weiterhin weit abgeschlagen hinter allen anderen Parteien. Vor allem die Spitzenpolitiker der Parteien sind in den Social Media nicht zu finden und behindern so das Wachstum ihrer Partei im Netz.
Themenindex Parteien
Der SPD gelang es auch in dieser Erhebungsphase, den deutlichen Vorsprung von Blogposts im Parteienumfeld zu halten. Erneut sind die Kommentare der User aber auch von einer negativen Tonalität geprägt. Ein besonders starkes Involvement konnte der gestohlene Dienstwagen von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt generieren, jedoch empfand der überwiegende Teil der Kommentatoren die Nutzung im Urlaub als nicht angemessen. Ebenso stößt der verbreitete Optimismus der SPD auf wenig Verständnis bei den potenziellen Wählern, denn die wünschen sicher lieber mehr Inhalte im Wahlkampf. Nur unwesentlich positiver verliefen die letzten beiden Wochen für die CDU: Das erneute Aufflammen der Mehrwertsteuer-Debatte verärgerte die Kommentatoren ebenso wie die Haltung zum Mord im Dresdner Gericht. Darüber hinaus sieht sich die Union mit Rassismusvorwürfen konfrontiert, die bisher nicht eindeutig zurückgewiesen worden. Besser läuft es für die FDP: Mit der angestrebten Klage gegen die Millionenstrafe aus der Möllemann-Affäre und der Öffnung gegenüber einer Ampelkoalition im Saarland konnten die Liberalen Fürprechergewinnen. Die Grünen konnten am meisten mit dem Vorschlag eines Fahrsicherheitstests für Senioren überzeugen, während die Linke mit der erneuten Forderung nach einem sofortigen Afhanistanabzugpunkten konnte.
Themenindex der Kandidaten
Auf Seiten der Spitzenkandidaten macht sich in der Erhebung das Sommerloch in vollem Ausmaß bemerkbar. Allen Kandidaten fiel es in den letzten beiden Wochen schwer, Kommentatoren zu motivieren. Besonders Kanzlerin Merkel konnte den Trend der letzten Wochen nicht abwenden und sorgte mit eher banalen Themen, wie ihrem neuen Internetauftritt oder einem Sommerinterview auf YouTube für Involvementin der Community. Der Streit zwischen ihr und dem CSU-Vorsitzenden Seehofer ließ die User eher kalt.
Zum dritten Mal in Folge musste Kanzlerkandidat Steinmeier drei negativ kommentierte Themen wegstecken. Weder sein Kompetenzteam noch die öffentliche Kritik an Ulla Schmidt überzeugte die User; zusätzlich sah er sich dem Vorwurf ausgesetzt, immer unsympathischer zu werden.
Besser steht hingegen Guido Westerwelle da: Indem er erneut die Abschaffung der Wehrpflicht forderte, begeisterte er die Community, generierte aber nur ein vergleichsweise geringes Involvementbei den Themen Hartz IV und seinen Äußerungen zur bevorstehenden Wahl. [* Bei Künast/Trittin sowie Oskar Lafontaine konnten diesmal nicht ausreichend Kommentatoren ermittelt werden, um aussagekräftige Ergebnisse zu veröffentlichen.]
Die aktuellen Ergebnisse des Wahl-im-Web-Monitors können hier abgerufen werden: Wahl-im-Web-Monitor 31. Juli 2009















