Google+ Pages: Das müssen Sie wissen

Auf diese Funktion wurde schon seit dem Start von Google+ sehnlichst gewartet: Profile für Unternehmen. Viele Unternehmen erstellten sich zwischenzeitlich sogar Privatprofile, die sie dann als Unternehmensseite brandeten, nur um auf Google+ präsent zu sein. Google löschte diese Profile jedoch. Nun endlich sind sie aber doch erschienen, die Unternehmensseiten, unter dem Namen Pages.

Ja, Pages gibt es auch auf Facebook, und auch dort fungieren sie als Unternehmensseite. Doch obwohl der Name gleich ist, so gibt es doch einige Unterschiede zwischen den Pages dieser beiden großen Netzwerke.

Zu erkennen sind Google+ Pages an diesem neuen Symbol: Google Plus2

Insgesamt sind Pages auf Google sehr schlicht gehalten. Es fehlen die umfassenden Gestaltungsmöglichkeiten, die man von Facebook kennt (Landingtab, Apps, etc.). Man kann bisher nur ein Profilbild erstellen und fünf Bilder zu einer Bilderleiste hinzufügen. Weitere Möglichkeiten die Seite selbst zu gestalten sind nicht gegeben. So wirken alle Google+ Pages sehr einheitlich, aufgeräumt und nicht überladen. Ob dies jeden Geschmack trifft, ist natürlich fraglich.

Google Plus1

Think with Google – Google+ Page

Was macht also Google+ Pages für Unternehmen so interessant?

Sicherlich einer der wichtigsten Gründe, warum man auf Google+ seinen Kunden einen weiteren Kommunikationskanal bieten sollte, ist das Suchmaschinenranking. Auch wenn die eigene Zielgruppe noch nicht stark auf Google+ vertreten ist, so nutzen doch fast alle Internetnutzer Google zur Suche nach einem Unternehmen. Es ist also von Vorteil, wenn man bei der Suche nach dem eigenen Unternehmen auf Google, direkt zu Suchergebnissen gelangt, die zum einen generelle Informationen zum Unternehmen liefern, als auch Neuigkeiten liefern. Es ist nicht zu erwarten, dass Google seine eigenen Inhalte schlecht in seiner Suchmaschine ranken wird.Google Plus3

Auch die Funktion „Ripples“ hat einiges an Mehrwert zu bieten. So hat man mit dieser Funktion Analysemöglichkeiten, die auf Facebook nicht zur Verfügung stehen. Mit Hilfe von „Ripples“ ist es möglich, genau nachzuvollziehen, wie sich ein Beitrag in dem Netzwerk verbreitet und wer die wichtigsten Influencer zu dem Thema sind.

Eine weitere Möglichkeit, die Facebook nicht bietet, sind Hangouts (Videokonferenzen). Einer Page auf Google+ ist es möglich, eine Videokonferenz zu starten, an dem bis zu zehn Nutzer teilnehmen können. Bisher sind diese Konferenzen, jedoch  noch nicht ganz ausgereift. Die Bilder ruckeln, der Ton kommt oft nicht ganz an und wenn zehn Leute durcheinander sprechen oder Personen, nur um zu stören, dem Hangout beitreten, dann geht der Spass schnell verloren. Nichtsdestotrotz kann diese Funktion kreativ eingesetzt werden – z.B. zum Kundensupport.

Ein zusätzlicher Grund für Google+: Es entscheiden sich immer mehr Nutzer für eines der beiden großen Netzwerke (Facebook oder Google+). Warum also nicht überall dort sein, wo auch die eigene Zielgruppe sich aufhält und sich austauscht.

Was sind die Nachteile von Google+ Pages, im Vergleich zu Facebook Pages?

Google+ will für Konversationen stehen, für qualitative Inhalte und für Menschen, die sich untereinander verknüpfen. Doch, wie auch Thomas Knüwer auf seinem Blog beschreibt, fehlen Google+ Pages eine essentielle Eigenschaft, die Facebook Pages eigentlich ausmacht: Die direkte Konversationsmöglichkeit über eigene Anliegen mit dem Unternehmen, direkt auf der Google+ Page. Ob es ein Lob ist, eine Beschwerde, oder einfach nur eine Frage ist, die z.B. vom Kundenservice beantwortet werden kann: So etwas wie eine Pinnwand auf Facebook gibt es nicht.

So ist es zwar für Nutzer möglich eine direkte Nachricht zu schicken, dann kann er aber auch gleich eine klassische E-Mail nutzen. Oder er kommentiert den Beitrag von einem Unternehmen und stellt dort eine eigene Frage. Dies kann jedoch schnell unangenehm auffallen, da Kommentare, die sich nicht mit dem Thema des Beitrags beschäftigen, nicht gern gesehen sind.

Ob Google+ hier im Laufe der Zeit noch eine Lösung zur Verfügung stellen wird, ist noch nicht klar. Gute wäre dies aber in jedem Fall.

Worauf muss ich achten, wenn ich eine Google+ Page erstelle?

Es braucht nicht viel Zeit eine Google+ Page zu erstellen. Bei der weiteren Betreuung und auch schon bei der Erstellung sollte jedoch auf zumindest diese zwei Dinge geachtet werden:

-          Es ist bisher nicht möglich, auf Google+ Administratorrollen zu vergeben. Das heißt, dass nur die Person Administrator ist, die auch die Page erstellt hat. So muss darauf geachtet werden, dass bei der Erstellung ein nicht personalisierter Account verwendet wird.

-          Verkaufsaktionen und Gewinnspiele sind auf Google+ Pages bisher nicht gestattet. Für solche Aktionen muss auf eine eigene Homepage oder Microsite verwiesen werden. So will Google sicherstellen, dass Konversationen und qualitative Inhalte im Mittelpunkt der Pages stehen und nicht der reine Abverkauf von Waren.

Alles in allem bleibt es also erst einmal abzuwarten, wie gut Google+ Pages funktionieren werden und wie viele Unternehmen sie nutzen.

“Man hält zusammen, obwohl man sich regelmäßig die Köpfe einhaut”

Wie tickt die deutsche Fußballblogosphäre? Zu diesem Thema sprachen wir mit Max-Jacob Ost (alias @GNetzer), der seit 2008 die Szene beobachtet und bestens kennt. Max ist Leiter der Community beim Sportportal Spox. Schon bei der 11Freunde führte er das Format der Blogschau ein, die wir nur wärmstens empfehlen können. Seit 2010 wirft er in nun beim Münchner Sportportal wöchentlich einen Blick in die deutsche Fußballblogosphäre.

Wie haben sich Fußballblogs in Deutschland aus deiner Sicht entwickelt?

Das lässt sich natürlich nur schwierig zusammenfassen. Insgesamt ist die Blogosphäre im letzten Jahr sicherlich vielseitiger geworden. Es schießen immer noch zahlreiche neue Blogs aus dem Boden, darunter qualitativ richtig hochwertige Neuzugänge wie das Freitagsspiel (http://freitagsspiel.de/) oder das durch zahlreiche Verlinkung in „klassischen Medien“ inzwischen sehr gut etablierte Spielverlagerung (http://spielverlagerung.de/). Allerdings ist durch das Wachsen der Blogosphäre die Kommunikation der Blogger untereinander auch weniger geworden. Es gibt einfach zu viele Blogs, um bei allen auf Stand zu sein und hin und wieder noch einen Kommentar abzusetzen. Ich schaffe es ja selbst fast schon nicht mehr, wöchentlich meine Blogroll abzuarbeiten.

Im Moment wird im Umfeld Social Media/PR viel von einer Social Media Müdigkeit geschrieben. Wie sieht das in der Fußballblogosphäre aus? Wie vital ist sie?

Ehrlich gesagt glaube ich gar nicht, dass diese Müdigkeit auch im Fußballbereich zu finden ist. Im Gegenteil: Nicht nur Vereine sondern auch die Fans sind gerade dabei, dieses Feld für sich zu entdecken. Wobei die Fans den Vereinen naturgemäß weiter voraus sind als der FC Bayern oder Tasmania Berlin.
In Bezug auf die Fußballblogosphäre ist die Dynamik aber meiner Meinung nach tatsächlich etwas zurückgegangen. Es gibt eine Reihe von etwa 20 bis 40 „etablierten“ Blogs, die auch untereinander sehr gut vernetzt sind. Für Neulinge ist es allerdings schwer, gleich in diese Phalanx vorzustoßen. Oft scheitert es schon am Weitblick und der Qualität der Beiträge von Blog-Neulingen. Was fehlt, ist eine „zweite Generation“ an Fußballblogs, die sich gegenseitig aus den Startlöchern hilft und irgendwann von Schreibstil und Inhalt her genauso gut ist wie die jetzige „1. Bundesliga“ der Blogger.

Die deutsche Blogosphäre wird häufig als eine vielschichtige Sammlung unterschiedlicher Bloguniversen angesehen. Gibt es bei Fußballblogs Anknüpfungspunkte an andere Themenbereiche oder lebt die Fußball-Blogosphäre relativ autark?

Ich würde schon davon sprechen, dass die Fußball-Blogosphäre recht autark ist. Zwar gibt es immer wieder Anknüpfungspunkte zu anderen Themenbereichen, meist stehen diese aber dann auch in einem sehr engen kontextuellen Bezug zum Fußball. Bestes Beispiel sind medienkritische Beiträge, wie sie zum Beispiel immer wieder im Sportmedienblog (http://sportmedienblog.de/) zu finden sind. Vielleicht liegt darin auch das Problem der Fußballblogger in Bezug auf die Blogosphäre generell. Denn von Medien und anderen Bloggern wird die Fußball-Blogosphäre meist ja immer noch sehr stiefmütterlich behandelt.

Was ist aus der Bewegung geworden, sich zu organisieren? Lebt das von Kai Lorentz initiierte Sportbloggernetzwerk noch? Was gibt es sonst für Möglichkeiten für den Austausch?

Das Sportbloggernetzwerk ist natürlich noch am Leben und immer noch Ort für gute Diskussionen und Austausch unter den Bloggern. Als zweiten Kommunikationskanal bietet sich außerdem immer noch Twitter an. Die Fußballblogger und viele Blogleser sind dort sehr aktiv und immer bereit, Neulingen zu helfen. Ich kenne kaum eine Gruppe im Internet, die so eng zusammenhält, obwohl man sich regelmäßig inhaltlich gegenseitig die Köpfe einschlägt. Würden DFL und DFB wissen, wie gut sich in der Blogosphäre Schalke-, Bayern- und Dortmundfans verstehen und auch bei Konflikten miteinander kommunizieren – man würde sich das binnen Millisekunden an die Brust heften und stolz präsentieren. Vielleicht doch ganz gut, dass man das dort noch nicht weiß.

Wie beurteilst du Aktivitäten anderer Sportmedienportale, Social Media in ihre Berichterstattung zu integrieren?

Es ist natürlich immer heikel, über die Konkurrenz zu sprechen. Ehrlich gesagt sehe ich keinen Ansatz, der bereit ist, Social Media mehr als nur halbherzig zu integrieren. Aber ich sehe das natürlich auch aus der subjektiven Sicht des bundesweit vielleicht einzigen Sport-Redakteurs, der dafür bezahlt wird, sich fast ausschließlich um Social Media- und Community-Themen zu kümmern. Aus meiner Erfahrung bei SPOX kann ich aber sagen, dass eine sinnvolle Integration von Social Media nur nutzen kann. Der Kontakt zu den Lesern wird verbessert, man kann schnell auf Kritik reagieren und bekommt sehr schnell ein Gefühl für das, was den User interessiert. Die große Community war immer fester Bestandteil von SPOX. Dass uns Social-Media-Aktivitäten sehr nahe sind, das da selbstverständlich.

Wie nimmst du die Bemühungen der Kommunikationsabteilungen der DFL-Vereine wahr, auf die Umwälzungen durch Social Media zu reagieren?

Allein, dass Bemühungen zu erkennen sind, zeigt den Unterschied zur Saison 2009/2010. Da ist in der Rückrunde 2010 enorm viel passiert. Allerdings haben die Vereine meiner Meinung nach einen wesentlichen Punkt falsch gemacht: Aus Mangel an Social-Media-Kompetenz im eigenen Haus arbeiten viele in Zusammenarbeit mit Agenturen. Die Folge: Die meisten Facebookseiten der Vereine unterscheiden sich nur marginal. Die Ansprache der User, die Inhalte, die Gewinnspiele – das ist sich alles viel zu ähnlich. Die Vereine verschenken damit die Möglichkeit, ihr eigenes Profil auch über Social Media zu transportieren. Wie viel sympathisches Potenzial da verschenkt wird, zeigt gerade der Blick in die unteren Ligen, wo sich mit viel mehr Charme um Social Media gekümmert wird. Der Twitter- und Facebook-Auftritt von Union Berlin ist dafür ein schönes Beispiel (http://www.facebook.com/1.FCUnionBerlin)

Der Profi-Fußball in Deutschland ist inzwischen stark professionalisiert. Wie funktioniert der Austausch zwischen profitorientiertem Business und Marken auf der einen Seite und Bloggern aus Leidenschaft auf der anderen Seite?

Welcher Austausch ist damit gemeint? Ich glaube, im Bereich Sponsoren vs. Blogger gibt es zum Beispiel kaum einen. Grundsätzlich kann aber vieles funktionieren, solange der jeweils „größere“ Partner immer authentisch und fair bleibt. Wer Blogger ausnützen möchte, bekommt schnell und vollkommen zu Recht eines auf die Mütze. Wer ihnen aber auf Augenhöhe begegnet, wird immer ein offenes Ohr finden. So ist zumindest meine Erfahrung. Im Übrigen glaube ich aber, dass bis auf die großen Sportartikelhersteller Adidas und Nike kaum eine Marke bisher so wirklich den Zugang zur Fanbasis via Social Media gesucht hat.

Vielen Dank für das Gespräch, Max!

Über die Definition von Rundfunkprogrammen im Internet

Ab wann spricht man von einem linearen Rundfunkangebot? Muss eine Internetseite, sobald sie in regelmäßigen Abständen Live-Streamings anbietet, eine Sendelizenz beantragen?

Diesen und einigen anderen Fragen widmen sich seit ein paar Wochen der Blogger Markus Hündgen (alias Videopunk) und Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer „Public Affairs“ bei der Axel Springer AG auf diversen Blogs.

Angefangen hat die Diskussion mit Hündgens Vorwurf, Bild.de wäre ein Piratensender, da auf der Seite u.a. regelmäßig komplette Fußballspiele der Primera Division gezeigt werden und auch die Royal Wedding von William und Kate über mehrere Stunden live auf Bild.de verfolgt werden konnte.

Der genaue Verlauf der Diskussion soll an dieser Stelle nicht erläutert werden, vielmehr wird in diesem Beitrag kurz das Kernproblem aufgezeigt, um das sich die Gespräche drehen.

Wer an den Blog Artikeln der Beiden interessiert ist und zudem erfahren möchte, wie Mario Sixtus es innerhalb dieser Diskussion geschafft hat, eine 1.000€ Spende von Herrn Keese an Creative Commons zu initiieren, der kann auf folgenden Seiten mit der Lektüre beginnen:

Der erste Artikel von Markus Hündgen (auf dem Blog des ZDF):
http://blog.zdf.de/hyperland/2011/07/youtubes-livestreaming-vor-dem-aus/

Die Antwort von Herrn Keese:
http://www.presseschauder.de/warum-bild-de-kein-piratensender-ist/

Eine weitere Antwort vom Videopunk:
http://videopunks.de/hallo-mal-wieder-herr-keese

Und die Creative Commons Diskussion zwischen Mario Sixtus und Christoph Keese:
http://sixtus.cc/lieber-christoph-keese
http://www.presseschauder.de/lieber-mario-sixtus/  

 

Also, worum geht es genau? Nehmen wir die rechtliche Regelung des 13. Rundfunkstaatsvertrages als Ausgangspunkt. Hiernach ist Rundfunk im Internet ein „linearer Informations- und Kommunikationsdienst“, der „für die Allgemeinheit und zum zeitgleichen Empfang“ bestimmt ist. Der zweite Aspekt trifft auf ein Live-Streaming Angebot auf einem so großen Portal wie Bild.de sicherlich zu.

Doch der Rundfunkstaatsvertrag regelt nicht nur wann von einem Rundfunkangebot gesprochen werden kann, sondern auch, unter welchen Umständen es sich nicht um ein solches handelt. Von einem Rundfunkangebot kann nämlich, laut Rundfunkstaatsvertag, nicht gesprochen werden, wenn weniger als maximal 500 Nutzer gleichzeitig das Angebot wahrnehmen können. 500 Nutzer… diese Regelung klingt schwammig und wird von vielen auch eher als eine Notlösung für eine sichere Abgrenzung betrachtet. Eine aussagekräftige Begründung für diese Grenze wird zudem auch nicht mitgeliefert. Im Fall von Bild.de greift diese Regelung jedoch ohnehin nicht, beachtet man die Pressemitteilung von Bild.de, in der gesagt wird, dass zum Teil zeitgleich sogar 85.000 Nutzer den Live-Stream verfolgten.

Bleibt also eigentlich nur noch zu klären, was genau unter einem linearen Informations- und Kommunikationsdienst zu verstehen ist. Auch hier gibt es keine klare Definition.

Versuchen wir uns zunächst dem Begriff linear ein wenig zu nähern. Herr Keese wählt zur genaueren Beschreibung des Begriffs den mathematischen Ansatz „In der Mathematik ist eine Linie eine stetige, mithin ungebrochene Abfolge unendlich dicht gesetzter Punkte. Mit diesem Vergleich ist das Programm eines klassischen Fernsehsenders doch treffend beschrieben: Die Programmpunkte fügen sich lückenlos und stetig aneinander.“

So wäre ein Live-Streaming Angebot deshalb nicht linear, weil es nicht rund um die Uhr mit festen Programmpunkten gesendet wird (zumindest im Fall von Bild.de). Die Frage, die an dieser Stelle aufkommen mag, ist aber, wie es sich dann mit TV-Sendern, wie z.B. KIKA verhält (okay der Vergleich hinkt ein wenig, denn KIKA ist ein öffentlich rechtlicher Sender). Nehmen wir aber einmal an, KIKA würde nicht als TV-Sender, sondern als Streaming Angebot im Internet existieren und anstatt nach Sendeschluss Bernd das Brot zu senden, den Stream offline nehmen, um am nächsten Morgen das Programm wieder aufzunehmen. In so einem Fall wäre die Linearität, wenn man sie, so wie Keese, aus dem mathematischen Blickwinkel betrachtet, nicht mehr gegeben. Wie viele Nutzer würden diesen KIKA Stream aber nicht als Rundfunkangebot bezeichnen?

So muss man sich die Frage stellen, ob die Definition aus mathematischer Sicht sinnvoll ist.

Somit ergibt sich an dieser Stelle die Forderung an den Staat, Rundfunkangebote im Internet klar zu definieren. Momentan sieht es so aus, als ob eine finale Entscheidung wohl nur vor Gericht gefällt werden kann, da die Politik auf diesem Gebiet eher wenig Initiative zeigt. Welches Internetangebot sich hier jedoch zur Schaffung eines Präzedenzfalls zu Verfügung stellen wird, bleibt ungewiss. Springer wird es wohl jedenfalls nicht sein und ob für Google die Ermöglichung des Live Streaming Angebots in Deutschland so wichtig ist, dass das Unternehmen aus dem Silicon Valley vor Gericht zieht, ist auch zu bezweifeln. Wir werden uns also vorerst mit einer unklaren Regelung zufrieden geben müssen. Insgesamt bleibt es aber auf jeden Fall spannend, diese Diskussion zu beobachten!

Übrigens: Wenn Bild.de als ein Rundfunkangebot zu betrachten wäre, müsste der Springer Verlag eine Sendelizenz beantragen. Dies wäre wiederum mit Kosten für den Verlag verbunden.

Digitale Nachlese der re:publica XI

Nach der rp11 ist vor der rp12. Aber was waren die Eindrücke aus dem April? Auch das Weber Shandwick-Team war zahlreich auf der re:publica XI vertreten. Als ein Nachklingen der Eindrücke und als Ideenanregung für unsere Arbeit haben wir ein kurzes Paper zusammengestellt. Viel Spaß bei der Lektüre!

re:publica11: Digitale Nachlese

Social Commerce: WSV-Grabbeltisch oder echtes Potential?

Mit dem starken Wachstum von Facebook als einer der zentralen Aufmerksamkeits-Marktplätze im Web drängt auch der E-Commerce mit vielfältigen Spielarten des Social Commerce in den digitalen Raum. Das erscheint auf den ersten Blick nur logisch. Schließlich professionalisiert und erweitert sich Social Media Marketing gerade hin zu Sales und Kundengewinnung. Gleichzeitig scheinen klassische E-Commerce-Lösungen in der Verbrauchergunst zu sinken – behauptet zumindest eine Studie (pdf) des American Customer Satisfaction Index (ACSI). Ist Social Commerce somit eine hinfällige und gleichzeitig sinnvolle Evolution? Und treffen in Fanpages integrierte Online-Shops den Nerv der Zeit?

Keine große Überraschung bei der Entwicklung hin zum Social Commerce ist die Vorreiter-Rolle des amerikanischen Marktes. Die gesamte Bandbreite und eine große Case-Sammlung hat Paul Marsden von Syzygy rund um die Altimeter-Konferenz “The Rise of Social Commerce” zusammengestellt. Einige interessante Möglichkeiten aus dem amerikanischen und deutschen Raum sind:

Am wenigsten überzeugen hier Shop-Systeme, die direkt über eine App eingebunden wurden und den Bezahlvorgang auch direkt in Facebook abwickeln. Es mag eine Einzelmeinung sein, aber vor dem Hintergrund einiger Daten-Fehltritte der vergangenen Jahre ist mir Facebook zur Zahlungsabwicklung einfach noch zu heikel. Sicherlich ist das Angebot von https-Verbindungen oder die Abwicklung über ein externen Bezahlvorgang ein Schritt in die richtige Richtung. Eine grundlegende Frage kann aber die beste Sicherheit nicht beantworten: Ist das Shoppen auf Facebook wirklich “social”? Oder konträr gefragt: ist es genauso eine Selbstverständlichkeit von “social”, einfach billige Cheftickets zu kaufen, egal was auf der Pinnwand (von einer Minderheit) gegen die Deutsche Bahn gewettert wird?

Ob sich Aktionen zur Erhöhung der Laufkundschaft wie Groupon-Aktionen oder Facebook-Deals in Deutschland durchsetzen, lässt sich (noch) nicht beurteilen. Abgesehen von einer möglichen Positionierung als Vorreiter  erscheinen die ersten Erfahrungen bzw. Zahlen der Facebook-Deals in einem Stadium zu sein, mit dem man noch nicht den Mainstream erreicht.

Abseits davon finde ich die Beispiele spannend, die spielerisch auf den Social Graph des Users setzen. Auf die Interessen der Freunde abgestimmte Geschenkvorschläge von Etsy? Sehr gerne. Aufforderung zum Feedback direkt aus der Macy’s Umkleidekabine an den Freundeskreis? Warum nicht. Ein paar Freunde opfern für einen Burger? Sicher, Freunde sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Das sind dann nämlich die Geschichten, die für Aufmerksamkeit im Social Graph sorgen, weil sie weitere Interaktionen anregen.

Die Wall von Teldafax: man bleibt ja unter sich.

Vergangene Woche wurde in zahlreichen Blogs das Unternehmen Teldafax harsch kritisiert. Der Grund: Teldafax monierte auf seiner Fanpage bei Facebook kritische Postings unter seinen Status-Updates. Man möge sich doch bitte an die Email-Adresse wenden, die im Info-Tab angegeben sei. Die Seite sei nicht der geeignete Platz für Beschwerden und Kundenanliegen. Dass ein Unternehmen nicht darauf vorbereitet ist, mit kritischen Fragen in einem Sozialen Netzwerk umzugehen, mag wirklich überraschen und darf ruhig als #fail bezeichnet werden. Soweit hat Thomas Knüwer vollkommen recht. Teldafax hat dies wohl inzwischen eingesehen und Besserung versprochen. So weit so gut.

Wo sich bei mir dann allerdings ein großes Fragezeichen einstellt,  sind die Kommentare, die unter dem Statusupdate noch einzusehen sind. Diese werden in Knüwers Posting als Leser-Reaktionen bezeichnet. Liest man sich aber die einzelnen Kommentare noch einmal durch, sind Bemerkungen wie “das kommt in meine nächste Präsentation”, “worst practice” und “Dialog führen” zu lesen. Natürlich ist es jedem völlig frei, seine eigene Meinung hierzu kundzutun, egal was der persönliche Background ist.

Wenn aber mindestens zwei Drittel der Kommentierenden von Haus aus einen Berater-Hintergrund rund um Web, Social Media und Internet hat, kriegt das ein Geschäckle. Zum einen scheint es das Vorurteil der im eigenen Saft schmorenden Berater zu bestätigen. Zum anderen gerät hier die legitime Kritik in ein zweifelhaften Kontext, weil sie von einer bestimmten Gruppe hochgezüchtet wurde. So tun sich weder Berater noch Unternehmen einen Gefallen.

Update: In die exakt gleiche Richtung stößt auch David Nelles mit seinem Beitrag von heute morgen. Nur scheint er früher aufzustehen.

sharing means caring

Shareifyoulike stellt den geneigten und registrierten Usern Content zur Verfügung, den sie gegen einen Geldbetrag über ihren Blog, ihr Facebookprofil oder Twitteraccount verbreiten können. Die Inhalte, die Shareifyoulike zur Verfügung stellt sind natürlich Inhalte von Unternehmen oder Projekte, die ihr Produkt oder Dienstleistung im Social Media Bereich bekannt machen und bewerben wollen. Das interessante Shareifyoulike ist jedoch hier, dass der User in jedem Fall individuell entscheiden kann, ob und wo er Content verbreitet und mit welchem Wortlaut dies geschieht.

Wie viel Geld man mit Shareifyoulike verdienen kann, darüber berichtet die Onlinelupe.

RockMelt – ein neues Rock-Festival?

Könnte man vermuten. Was wie ein neues Rock-Festival klingt, ist aber der in den letzten Tagen heiß erwartete, vielversprechende neuer Web-Browser RockMelt. Warum tun sich die Entwickler denn sowas an, werden sich jetzt viele fragen. Der Browsermarkt ist längst von Internet Explorer, Safari, Chrome und Firefox beherrscht. Programme die heutzutage mehr denn je genutzt werden, da die Internetnutzung immer weiter ansteigt. Ebenso wie die Nutzung des Web 2.0 – Social Networks, Microblogging (Twitter), Blogs, etc. Ebendies war der Grund zur Entwicklung von RockMelt, die auch Ex-Netscape Entwickler forcierten.

RockMelt verbindet Social Networking und Microblogging in seiner frühen aktuellen Beta-Phase mit dem Surfen im Internet. Sidebars an den Rändern des Browsers zeigen auf der linken Seite Facebook-Kontakte aus dem Chat an. Auf der rechten Seite erhält man Updates zu seiner Facebook Wall, seinem Profil, sowie Twitter-Updates oder RSS-Feed-Updates. Nutz man den Facebook-Chat, öffnet sich ein neues Fenster mit dem Textfeld für den Chat und einer Gegenüberstellung der beiden Kontakte, ähnlich der „Freundschaften anzeigen“-Funktion. Ein besonderes Highlight sind die Share-Funktionen. Damit lassen sich Inhalte jeder mit RockMelt betrachteten Website, mit wenigen Klicks Freunden empfehlen oder auf der eigenen Wall veröffentlichen. Auch bei Twitter kann man damit Inhalte mit Followern teilen. Die Share-Funktion kann aber nicht beide Dienste gleichzeitig bedienen, wie dies z.B. TweetDeck oder Seesmic können. Die Twitter-Sidebar funktionierte in unserem Fall insgesamt noch nicht richtig. Theoretisch soll der eigene Twitterstream angezeigt werden sowie ein Großteil der Funktionen der Twitter-Website zur Verfügung stehen.


Technisch basiert RockMelt auf dem Google Browser Chrome. Mängel an der Geschwindigkeit oder Darstellungsprobleme sollten dementsprechend eher selten der Fall sein. Fraglich ist aber die Datensicherheit. Chrome alleine ist schon als Datenkralle berüchtigt. Mit den hinzugekommenen Informationen der Facebook- und Twitter-Accounts würde sich ein sehr genaues Bild der Internetnutzer erstellen lassen – zumal man all seine Facebook Informationen an RockMelt freigeben muss.

Die Datenfreigabe ist auch Bedingung für die Teilnahme an der aktuellen Beta-Testphase. Dazu müssen die Nutzer als Tester eine Einladung haben. Nicht anders als erwartet kann diese ausschließlich über Facebook an Kontakte versandt werden. Ein paar Einladungen haben wir noch: einfach einen Kommentar mit Einladungswunsch hinterlassen.

Insgesamt ist RockMelt ein schneller und ordentlich durchdachter „Browser für das Facebook-Zeitalter“. Die Idee Social Networks und Microblogging eine weitere Tür zu öffnen und die Anwendung noch einfacher zu gestalten könnte bei der breiten Nutzerschaft gut angenommen werden, sofern der Browser ausgereift ist. Durchsetzen gegen die Platzhirsche Internet Explorer, Safari, Chrome und Firefox wird er sich so schnell nicht. Eine Alternative wird er aber allemal sein. – Alleine der Name. Da sollte man sich noch mal Gedanken drüber machen.

Was eigentlich aus Facebook Connect wurde…

…und was für für Marken und ihre Kommunikation an Potential eigentlich geblieben ist.

Ab und zu ist ja charmant, bei allzu aktueller und überhitzter Diskussion (Stichwort „Facebook Messaging“) einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Was wurde aus dem, was noch vor kurzem als das „nächste Ding“ angekündigt wurde? Ein Beispiel bei Facebook ist das im Dezember 2008 gelaunchte Projekt „Facebook Connect“. Die Idee dahinter war, den Freundeskreis der User, den „Social Graph“ auch auf externen Seiten einzubinden. Durch diesen Single Sign On sollte das Netz noch sozialer gemacht werden, natürlich auch zum Vorteil von Facebook, das sich dadurch noch größere Relevanz erhoffte.

Nach einigen spannenden Umsetzungen im Markenumfeld erschien es mir dann aber etwas ruhiger geworden zu sein. Was waren gute Beispiele für Facebook Connect beziehungsweise für ein Markenerlebnis? Aktionen die es einerseits erlauben, den Facebook-Freundeskreis spielerisch in die Kommunikation einzubeziehen und andererseits genau dies auch in den Freundeskreis weiterzutragen?

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Da wäre zum ersten die VW Blue Motion Kampagne. Hier zeigte sich gut das Potential eines individualisierten Storytellings. Es werden Daten, Bilder und Namen des Freundeskreises geschickt eingebaut, das Ergebnis lässt schmunzeln. Von der Umsetzung sicherlich einer der überzeugendsten Beispiele.

lost_in_val_sinestra

Ebenso überzeugend ist auch eine Kampagne der Swisscom, die mit der Aktion „Lost in Val Sinestra“ auf ihr Pay-TV-Angebot aufmerksam machen wollte. Auf der Microsite kann ein 3-minütiger Horrorfilm-Trailer angeschaut werden – in den Hauptrollen ausgesuchte Personen aus dem eigenen Facebook-Freundeskreis, von dem wiederum Inhalte wie Bilder und Namen geschickt in die Geschichte eingebettet sind. Positiv zu erwähnen ist hier auch die feinere Steuerung der Zugriffsrechte der App auf die eigenen Daten – das Thema Datenschutz behandeln immer noch viele Marken im Social Web zu sehr am Rande.

mlb_tagoramics

Ein weiteres gutes Beispiel ist die Microsite „Postseason 2010 Tagoramic“ der amerikanischen MLB (Major League Baseball). Hier wurden in den Playoffs hochauflösende Panoramafotos der Stadien und Besucher geschossen (hallo Deutschland, hallo Streetview-Debatte!). Der Clou: in den Stadien sitzende Freunde konnten so einfach getaggt werden. Eine simple und schöne Idee, das Event digital zu begleiten und die Aufmerksamkeit nach dem Ende aufrechtzuerhalten.

Gerade wegen dieser Beispiele bin ich immer noch von dem Potential überzeugt, das Facebook Connect digitaler Kommunikation bietet. Etwas enttäuscht vielleicht deshalb, weil ich weniger gute Beispiele entdeckt habe, als ich es mir eigentlich gewünscht hätte.

Natürlich ist es um Facebook Connect auch deshalb ruhiger geworden, weil der Begriff seit April 2010 eingedampft und im „Open Graph“ aufgegangen ist. Was übrigens auch ein gutes Beispiel für das etwas „volatile“ Verhalten von Facebook ist. Auf der PR-Policy-Seite werden noch Beispiel-Statements für Facebook Connect geliefert, während es offiziell nicht mehr gebraucht werden soll. Aber ich hätte doch erwartet, dass es häufiger eingesetzt würde – gerade wegen der Möglichkeiten der Kommunikation mit dem Social Graph des Users abseits von Facebook. Ist diese Erwartungshaltung zu optimistisch? Oder bleiben die tollen Beispiele unter dem Radar?

Twitterdiskussion: Datenschutz im social Web

Am vergangenen Freitag organisierte Weber Shandwick in Kooperation mit Valentin  & mir erstmalig eine Twitterdiskussion. Anlass dazu war der Mitte der Woche vorgestellte Berichtsband zum Thema Datenschutz im Social Web. Verfolgen konnte man die Twitterdiskussion, indem man dem Hashtag #DaSi folgte.

Zum Einstieg wurden der neue Berichtsband sowie die im Laufe der Woche durchgeführten Twitter-Poll-Ergebnisse als Diskussionsgrundlage in den Raum gestellt. Daraufhin etablierte sich die von Valentin Hungrichhaußen (@valentin_h), Julian Lambertin (@framingyou, kurzfristig eingesprungen für @_jrg) und mir (@phirsisch) moderierte Diskussion.

Wichtigste Erkenntnisse und Hauptthemen der Diskussion:

Offene Fragen sind, wie man zum Beispiel ältere User involvieren kann und in wessen Verantwortungsgebiet der Datenschutz letztendlich fällt (User, Netzwerke, Politik?).

Insgesamt waren wir sehr erfreut über die hohe Teilnehmerzahl und die große Dynamik in der Diskussion und überlegen, weitere Debatten dieser oder ähnlicher Art folgen zu lassen.

Nochmal möchten wir uns bei allen Teilnehmern für die anregte Unterhaltung und guten Beiträge bedanken.

Abschließend noch ein paar der vielen Tweets zum Hashtag #DaSi:

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