Videodialog, öffentlich-rechtlich

Das Internet steigert einen Trend, den wir spätestens seit “Deutschland sucht den Superstar” auf breiter Bühne kennen. Das neue mediale Credo heißt: Du kannst im Mittelpunkt stehen! Du kannst berühmt sein! Jederzeit, über jeden Kanal. YouTube feiert diesen Fetisch des Ich genauso wie die sozialen Netzwerkseiten.

Nun hat das ZDF die Chance genutzt, das Casting-Format auf die politische Bühne zu heben. “Ich kann Kanzler” heißt es am 19. Juni auf dem Zweiten. Sechs Kandidaten haben sich durch Video- und Promi-Auswahlsysteme gekämpft, um auf der großen TV-Bühne ihr rhetorischen und visionäres Talent  beweisen zu dürfen.Wir sind gespannt auf den Sieger oder die Siegerin! Ein Praktikum im Bundeskanzleramt ist  im Preis enthalten – neben Ruhm und Ehr, versteht sich.

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Substantieller ist da ein anderes, gerade erst an den Start gegangenes Videodialog-Format des ZDF in Zusammenarbeit mit YouTube und dem Deutschen Bundestag. Auf dem OpenReichstag-Kanal stellen politisch engagierte Menschen Fragen, die die Community im Crowdsourcing-Verfahren beantwortet. Jürgen Trittin hat den Anfang gemacht mit der urgrünen Frage: “Was sollen wir mit dem Atommüll machen?” Bisher gab es 13 mehr oder minder schlüssige Antworten. Es bleibt abzuwarten, ob das Format zündet. Eines ist aber sicher: Basisdemokratischer Videodialog wird immer wichtiger.

Irans Kandidaten auf Facebook

Am Freitag fiel der offizielle Startschuss für den Präsidentschaftswahlkampf im Iran. Vier Kandidaten sind offiziell vom Wächterrat zugelassen worden. Nachdem der mächtigste Mann im Staate, Ayatollah Ali Chamenei, sich in den vergangenen Tagen mehrfach für den amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad ausgesprochen hat, ist der Ausgang der Wahlen zwar ein Stück weit vorweggenommen worden. Dennoch versuchen die drei anderen Bewerber alle Kanäle zu nutzen, um für sich Werbung zu machen und in den Dialog mit den Menschen im Land zu kommen.

Wie der Daily Telegraph kürzlich berichtete haben sie dazu nun auch das Social Web entdeckt. Die Unterstützer von Ahmadinedschads Hauptkonkurrent, dem 67-jährigen Politiker Hossein Mussawi, haben mittlerweile insgesamt 20 Fanseiten auf Facebook erstellt, mit über 8.000 Fans.  Die Gruppe  “I bet I can find 1,000,000 people who dislike Mahmoud Ahmadinejad” hat bereits über 35.000 Mitglieder.

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Facebook im Iran? Das macht Sinn, denn  60 Prozent der Bevölkerung sind unter 30 Jahren. Viele von ihnen sind geradezu verrückt nach neuen Technologien. Sie stellen das Gros der 21 Mio. Menschen, die Internetzugang besitzen und sich intensiv in Communities, in Foren oder über Blogs austauschen.

Update: Mittlerweile hat die iranische Regierung den Zugang zu Facebook blockiert! Ein Beitrag zum Thema findet sich auf CNN.com.