Wie wichtig sind Social Media für die PR-Karriere?
Im Januar dieses Jahres haben zahlreiche PR-Agenturen, darunter auch wir, Personal für die Social Media-Beratung gesucht. Das haben Timmo Lommatzsch und Tapio Liller in ihrem Podcast “Social Media PReview” zum Anlass genommen, die Recruiterin Bettina Wengenroth von der GK Personalberatung sowie meinen Kollegen und Berliner Managing Director Robert Kirsch zu interviewen.
Das rund 40 minütige Gespräch dreht sich um die Frage, wie Social Media mit entsprechendem Personal in Unternehmen und Agenturen integriert werden kann, ohne dass dabei klassisches PR-Wissen und Anwendung zu kurz kommen. Was sind die Kriterien bei potentiellen Einsteigern, die optimalerweise das PR-Handwerk beherrschen und sich gleichzeitig gekonnt auf dem “Parkett des Social Web” bewegen können? Und wie kann aus einer Bewerbung diese scheinbar noch eher rar gesäte Kompetenz herausgelesen werden? Weitere interessante Fragen und Antworten im Podcast auf der Seite der Social Media PReview:
“PR-Qualifikation 2.0 – Wie wichtig sind Social Media für die PR-Karriere“
Was, wenn es keine digitalen Krisen und Flops mehr gibt?
2010 wird das Jahr für Social Media. Dies verkündeten zumindest die meisten Vorhersagen des vergangenen Jahres. Digitale Aspekte unterwandern immer subtiler und effizienter unseren Medienkonsum, dem muss die PR und Kommunikation Rechnung tragen. Interaktion, Transparenz und Teilnahme an Online-Konversationen sind die Gebote der Stunde. So viel zu den Schlagworten.
Doch was passiert im Idealfall, in der jede PR und Social Media-Aktion 2010 ein Volltreffer wird? In der Unternehmen erst das Gespräch suchen, dann abmahnen? Jede Kampagne handwerklich sauber ausgeführt ist und vor Authenzität strotzt? Abgesehen davon, dass der Hashtag #fail in Vergessenheit geraten dürfte, wäre es wohl dann die große Herausforderung, der zunehmend anspruchsvollen Zielgruppe einen echten Mehrwert zu bieten und somit aus der Menge herauszuragen.
Kreativität und ansprechendes Storytelling wären nötig. Geschieht dies aber nur im digitalen/analogen Raum und gelingt es nicht, konsistente Stories on- und offline zu erzählen, bleiben alte Silos bestehen. Im Sinne von Einflussfaktoren auf Kaufentscheidungen haben uns die Ergebnisse der Studie vom Juli 2009 darin bestärkt, dass Inline-Denken und -Umsetzung zentrale Bestandteile von PR-Kampagnen sein sollten. Inline betreibt Kommunikation konsistent über jene Medien, die den nachhaltigsten Einfluss auf die Zielgruppe ausüben.
Und wenn wir gerade über Zielgruppen sprechen: Die scheinen beim Nachrichtenkonsum ebenso “inline” zu präferieren. Das jedenfalls sagt eine Analyse der größten deutsche Nachrichtenportale im Netz von contentmanufaktur. Auf Grundlage von AGOF, IVW, Google Ad Planner und Searchmetrics trifft sie folgende Aussage:
In der Spitzengruppe ist das Ergebnis klar: Die Nutzer und Werber sehen Bild.de und Spiegel Online als DIE deutschen Nachrichtenseiten – Google dagegen Focus Online und Welt Online. Und am unteren Ende der von uns betrachteten Webnews-Seiten sind ebenso immer die gleichen: Seiten, die ohne Print-Unterstützung arbeiten. Wir hatten auch nachrichten.de und nachrichten.com in der Betrachtung – aber die waren bei den meisten Tools gar nicht zu finden.
Die Kombination klassischen Medien und Online scheint – für Nachrichtenseiten – also top zu sein. Da sind sich IVW, AGOF und Google überraschend einig.
Überspitzt formuliert: Was den Erfolg über die ersten Plätze bei Nachrichtenseiten ausmacht, gilt genauso für PR und Kommunikation. Und zwar nicht nur für den (eher) unwahrscheinlichen Fall, dass digitale PR-Flops und Krisen 2010 ausbleiben.
Wenn wir an Social Media denken…
In den letzten Wochen gab es an diversen Stellen Diskussionen über die Natur, Charakter und Definition von Social Media im PR-Umfeld. Während einige zusätzliche Begriffsdefinitionen erörterten und eher von Digital Relations sprechen möchten, wurde an anderer Stelle dazu aufgerufen, die besten deutschen “Social Media Kampagnen” des Jahres 2009 zu nominieren. Hoch her ging es schließlich auch noch hier, man rieb sich an der derzeitig starken Twitter-Fokussierung der Branche am konkreten Beispiel eines Twitter-Workshops. Was zeigen diese Diskussionen, die ich grundsätzlich für wichtig und richtig halte? Es besteht immer noch eine Menge Gesprächsbedarf über Social Media und PR.
Auf der einen Seite steht die immer stärker fragmentierte Medienlandschaft. Peter Glaser beschrieb dies schön mit den Worten “wir erleben gerade, wie sich Massenmedien in Medienmassen verwandeln“. Und auf PR-Seite? Hier wurde Social Media, Digital, das Web 2.0 als neues Aufgabenfeld erkannt und bearbeitet. Häufig erscheint es aber noch so, als ob Social Media als der neue Heilsbringer angesehen wird. Natürlich bietet Social Media für die PR große Potentiale – die Gefahr des Silo-Denkens, isolierter Aktionen und der stiefmütterlichen Behandlung “klassischer PR-Arbeit” können das aber gleich wieder im Keim ersticken.
Im Juli 2009 hat Weber Shandwick aus diesen Überlegungen eine europaweite repräsentative Studie durchgeführt. Den 4.692 Teilnehmer aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien stellten wir die Frage, welche Faktoren bei der Kaufentscheidung eine Rolle spielen. Konkret: “Wenn Sie vor der Kaufentscheidung eines Produktes oder Dienstleistung stehen, wie einflussreich sind für Sie die folgenden Informationsquellen bei der Entscheidungsfindung?”
Die Ergebnisse der Studie zeigen nicht nur die wichtige Rolle, die Social Media spielt, sie bestätigten uns auch in unserem Inline-Konzept. Kurz zusammengefasst bedeutet Inline, dass Kommunikationsmaßnahmen und die Story, die erzählt werden soll, nicht in einzelnen Kanälen isoliert sein sollen. Anstatt separate online und offline-Kampagnen und Teams einzusetzen, sollten Marken und Kommunikatoren Maßnahmen entwickeln, die “inline” ihre Zielgruppe erreichen.
Inline Communications Europe Report
Warum die starke Betonung des Inline-Frameworks, des Imperativs konsistenter PR-Stories über eine Vielzahl unterschiedlicher Kanäle? Hier basiert die Argumentation auf zwei Punkten:
- Mit 26 Prozent ist Online-Fürsprache (Produktrezensionen und Empfehlungen online von unbekannten Personen) europaweit der wichtigste Faktor bei der Kaufentscheidung, gefolgt vom Rat von Freunden und Familie (20 Prozent) sowie von Verkaufspersonal (13 Prozent). Printmedien mit 12 Prozent, die Unternehmenswebseite (11 Prozent) und Fernsehen & Radio mit 9 Prozent spielen schon eine untergeordnete Rolle. Werbung mit europaweit 9 Prozent und 7 Prozent in Deutschland hat den geringsten Einfluss.
- Was auf den ersten Blick aussieht wie der Ritterschlag für Social Media als Wunderwaffe der PR, entpuppt sich als Schnellschuß. Knapp die Hälfte aller Befragten (43 Prozent) gaben nämlich ebenso an, dass sie den Online-Quellen erst dann Vertrauen schenkten, nachdem sie die Fakten durch ihren “klassischen Medienkonsum” (Print, TV & Radio) verifiziert hatten.
Es geht also im Kern effektiver Kommunikationsmaßnahmen darum, was die PR schon länger in vielen Bereichen ausmacht: konsistente Stories über die Kanäle zu erzählen, in denen sich die Zielgruppe informiert und Fürsprecher einzubinden. Und konsistent sind Maßnahmen dann, wenn dieses Inline-Wissen bei Strategie, der Umsetzung und im ausführenden Team verankert ist.
Weiterführende Gedanken zu diesem Thema vom britischen Kollegen James Warren finden sich in unserem Newsletter “33 & a 3rd rpm” (pdf), der des Weiteren einen (Aus)Blick auf Südafrika und Cleantech wirft.
Marken und Blogger
Viel wird im grade über das Verhältnis von Marken und Bloggern, Twitterati, Facebookern etc. geredet. Hier ein schönes und sehr gutes Zitat von Julia Knolle:
Marken sollten ihr Budget viel öfter in Jemanden investieren, der eine großartige Arbeit an der Zielgruppe machen kann. Eben über Internet und Social Media. Einer grossen schwedischen Bekleidungskette habe ich vorgeschlagen Fashion-Blogger stärker zu integrieren, um ihre STORES ZU PUSHEN. Warum nicht fünf Bloggerinnen eine Einladung zum Bloggerevent schicken und sie das spreaden lassen. Wenn man Bloggern das Gefühl gibt, für ihre Arbeit geschätzt und gezielt ausgewählt zu werden, dann LÄUFT DIE SACHE. Aber viele Marken glauben, dass Aufwand und Nutzen in keiner Relation stehen. Dabei ist der Aufwand gering und der Nutzen riesig, wenn man weiss wie es geht…
Die Großen Marken im Social Web
Interessante Zusammenstellung von Cases großer Marken und deren Aktivitäten im Social Web.
Den Report gibt es hier,von ENGAGEMENTdb.
via XEIT
Streetstyle-Blogger nach München geholt
Wie man A-Blogger aktiviert, zeigt ABSOLUT eindrucksvoll. Unter dem Motto “Gipfeltreffen der Stilelite” kuratierte der schwedische Wodkahersteller in München eine Ausstellung internationaler Style- und Fashionblogs. Vom 19.06.-24.06 2009 wurden die persönlichen Visionen einer “perfekten Welt” der eingeladenen Blogger gezeigt. Die Ausstellung ist Teil der globalen Kampagne “IN AN ABSOLUT WORLD” und zeigt Street Fashion Fotografien, Party Snapshots und Design- und Kunstexponate der jeweiligen Blogger.
Damit packte ABSOLUT die Damen und Herren bei der Ehre. Denn wer als A-Blogger verifiziert und eingeladen wird, fühlt sich als Teil der deutschen Stilelite schon mal per se geschmeichelt. Wer zudem aufgefordert wird, sich aktiv an der Ausstellung zu beteiligen, schreibt auch selbst darüber. Mit dabei waren bekannte Blogger wie Facehunter, Glamcanyon, F&Art, Bryanboy, Show me your wardrobe, Stil in Berlin, Les Mads, The Cobrasnake, Hel Looks und Playlust). Auch wenn nicht jeder vor Ort sein konnte: Fashion-Freunde und die Blog-Anhängerschaft freuten sich über so viel geballte Mode-Kompetenz.
Välkommna Sveriges ordförandeskap i Europeiska unionen
Nach der pannenanfälligen EU-Ratspräsidentschaft der Tschechen kommen jetzt die Schweden in Sicht. Ab dem 1. Juli übernehmen die Skandinavier, bekannt für IKEA, Volvo und Astrid Lindgren, die Ratspräsidentschaft der EU und koordinieren die Arbeit der 27 EU-Regierungen. Mit der Wirtschaftskrise, der neu zu bildenden EU-Kommission und der Durchsetzung des Vertrags von Lissabon stehen große politische Brocken an, die Staatsminister (Ministerpräsident) Fredrik Reinfeldt vor dem Centre for European Policy Studies beschrieben hat.
Die schwedische Transparenz soll auch in Europa spürbar sein. Mit einer eigenen Homepage zur Präsidentschaft http://www.se2009.eu/, die offener und transparenter sein will als die bisherigen. Die Twitter-Accounts der Schweden sind jetzt schon aktiv.
Weber Shandwick Brüssel legt zur schwedischen EU-Ratspräsidentschaft den sehr lesenswerten Guide Inside the Swedish Presidency vor, der die wichtigsten Themen, Politikfelder und Personan analysiert und zum Download bereit steht.
Ha det så bra!
Politische Kommunikation im Web 2.0 – mal international
Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung lädt am 21. und 22. Juni zu ihrer jährlichen Internationalen Konferenz für Politische Kommunikation ein. Thema 2009: “Mehr als Web 2.0 – Innovationen und Trends in den USA und Europa”.
Etwas anders als sonst ist der internationale Fokus. Neben einem unvermeidlichen Experten aus den USA, hier Jim Margolis, Medienberater von Präsident Barack Obama, berichten Olivier Ubeda, Kommunikationsberater des französischen Präsidenten Sarkozy, und Michael Sijbom, Kampagnenmanager für die Europawahlkampagne 2009 der CDA in den Niederlanden, über Erfahrungen und Learnings in ihren Ländern. Ein Blick über den nationalen Tellerrand ist garantiert.
Alles weitere direkt bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Twitter: Notwendigkeit fürs Marketing?
Die Financial Times fragt in der heutigen Ausgabe des Judgment Call: Should Twitter be confined to the marketing department? Die Antwort der vier Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft ist ein klares Votum für mehr Twitter. Dabei gilt:
- knapp kommunizieren
- den Dialog suchen
- Meinungsführer bevorzugen
Amnesty Campaigning
Schöner Case von Amnesty International UK.
Amnesty International UK legt eine detaillierte Auswertung ihrer Kampagnen für die Aktionsplattform Protect The Human vor. Hier wird deutlich, mit Social Media arbeitet man am erfolgreichsten, wenn man Plattformen und Netzwerke wie Facebook, Myspace, Twitter, Flickr oder YouTube als Bestandteile einer übergreifende Massnahme versteht und gezielt mit Muliplikatoren arbeitet.
via kakoii-blog





