Wenn wir an Social Media denken…

In den letzten Wochen gab es an diversen Stellen Diskussionen über die Natur, Charakter und Definition von Social Media im PR-Umfeld. Während einige zusätzliche Begriffsdefinitionen erörterten und eher von Digital Relations sprechen möchten, wurde an anderer Stelle dazu aufgerufen, die besten deutschen “Social Media Kampagnen” des Jahres 2009 zu nominieren.  Hoch her ging es schließlich auch noch hier, man rieb sich an der derzeitig starken Twitter-Fokussierung der Branche am konkreten Beispiel eines Twitter-Workshops. Was zeigen diese Diskussionen, die ich grundsätzlich für wichtig und richtig halte? Es besteht immer noch eine Menge Gesprächsbedarf über Social Media und PR.

Auf der einen Seite steht die immer stärker fragmentierte Medienlandschaft. Peter Glaser beschrieb dies schön mit den Worten “wir erleben gerade, wie sich Massenmedien in Medienmassen verwandeln“. Und auf PR-Seite? Hier wurde Social Media, Digital, das Web 2.0 als neues Aufgabenfeld erkannt und bearbeitet. Häufig erscheint es aber noch so, als ob Social Media als der neue Heilsbringer angesehen wird. Natürlich bietet Social Media für die PR große Potentiale – die Gefahr des Silo-Denkens, isolierter Aktionen und der stiefmütterlichen Behandlung “klassischer PR-Arbeit” können das aber gleich wieder im Keim ersticken.

Im Juli 2009 hat Weber Shandwick aus diesen Überlegungen eine europaweite repräsentative Studie durchgeführt. Den 4.692 Teilnehmer aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien stellten wir die Frage, welche Faktoren bei der Kaufentscheidung eine Rolle spielen. Konkret: “Wenn Sie vor der Kaufentscheidung eines Produktes oder Dienstleistung stehen, wie einflussreich sind für Sie die folgenden Informationsquellen bei der Entscheidungsfindung?

Die Ergebnisse der Studie zeigen nicht nur die wichtige Rolle, die Social Media spielt, sie bestätigten uns auch in unserem Inline-Konzept. Kurz zusammengefasst bedeutet Inline, dass Kommunikationsmaßnahmen und die Story, die erzählt werden soll, nicht in einzelnen Kanälen isoliert sein sollen. Anstatt separate online und offline-Kampagnen und Teams einzusetzen, sollten Marken und Kommunikatoren Maßnahmen entwickeln, die “inline” ihre Zielgruppe erreichen.

Inline Communications Europe Report

Warum die starke Betonung des Inline-Frameworks, des Imperativs konsistenter PR-Stories über eine Vielzahl unterschiedlicher Kanäle? Hier basiert die Argumentation auf zwei Punkten:

Inline Profile Europa

Quelle: 4.962 europ. Konsumenten, Juli 2009, Weber Shandwick

Es geht also im Kern effektiver Kommunikationsmaßnahmen darum, was die PR schon länger in vielen Bereichen ausmacht: konsistente Stories über die Kanäle zu erzählen, in denen sich die Zielgruppe informiert und Fürsprecher einzubinden. Und konsistent sind Maßnahmen dann, wenn dieses Inline-Wissen bei Strategie, der Umsetzung und im ausführenden Team verankert ist.

Weiterführende Gedanken zu diesem Thema vom britischen Kollegen James Warren finden sich  in unserem Newsletter “33 & a 3rd rpm” (pdf), der des Weiteren einen (Aus)Blick auf Südafrika und Cleantech wirft.

Streetstyle-Blogger nach München geholt

Wie man A-Blogger aktiviert, zeigt ABSOLUT eindrucksvoll. Unter dem Motto “Gipfeltreffen der Stilelite” kuratierte der schwedische Wodkahersteller in München eine Ausstellung internationaler Style- und Fashionblogs. Vom 19.06.-24.06 2009 wurden die persönlichen Visionen einer “perfekten Welt” der eingeladenen Blogger gezeigt. Die Ausstellung ist Teil der globalen Kampagne “IN AN ABSOLUT WORLD” und zeigt Street Fashion Fotografien, Party Snapshots und Design- und Kunstexponate der jeweiligen Blogger.

Damit packte ABSOLUT die Damen und Herren bei der Ehre. Denn wer als A-Blogger verifiziert und eingeladen wird, fühlt sich als Teil der deutschen Stilelite schon mal per se geschmeichelt. Wer zudem aufgefordert wird, sich aktiv an der Ausstellung zu beteiligen, schreibt auch selbst darüber. Mit dabei waren bekannte Blogger wie Facehunter, Glamcanyon, F&Art, Bryanboy, Show me your wardrobe, Stil in Berlin, Les Mads, The Cobrasnake, Hel Looks und Playlust). Auch wenn nicht jeder vor Ort sein konnte: Fashion-Freunde und die Blog-Anhängerschaft freuten sich über so viel geballte Mode-Kompetenz.

Välkommna Sveriges ordförandeskap i Europeiska unionen

Nach der pannenanfälligen EU-Ratspräsidentschaft der Tschechen kommen jetzt die Schweden in Sicht. Ab dem 1. Juli übernehmen die Skandinavier, bekannt für IKEA, Volvo und Astrid Lindgren, die Ratspräsidentschaft der EU und koordinieren die Arbeit der 27 EU-Regierungen. Mit der Wirtschaftskrise, der neu zu bildenden EU-Kommission und der Durchsetzung des Vertrags von Lissabon stehen große politische Brocken an, die Staatsminister (Ministerpräsident) Fredrik Reinfeldt vor dem Centre for European Policy Studies beschrieben hat.  

Reinfeldt at the CEPS

Die schwedische Transparenz soll auch in Europa spürbar sein.  Mit einer eigenen Homepage zur Präsidentschaft http://www.se2009.eu/, die offener und transparenter sein will als die bisherigen. Die Twitter-Accounts der Schweden sind jetzt schon aktiv.

Weber Shandwick Brüssel legt zur schwedischen EU-Ratspräsidentschaft den sehr lesenswerten Guide Inside the Swedish Presidency vor, der die wichtigsten Themen, Politikfelder und Personan analysiert und zum Download bereit steht. 

Ha det så bra!

Politische Kommunikation im Web 2.0 – mal international

Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung lädt am 21. und 22. Juni zu ihrer jährlichen Internationalen Konferenz für Politische Kommunikation ein. Thema 2009: “Mehr als Web 2.0 – Innovationen und Trends in den USA und Europa”.

Etwas anders als sonst ist der internationale Fokus. Neben einem unvermeidlichen Experten aus den USA, hier Jim Margolis, Medienberater von Präsident Barack Obama, berichten Olivier Ubeda, Kommunikationsberater des französischen Präsidenten Sarkozy,  und Michael Sijbom, Kampagnenmanager für die Europawahlkampagne 2009 der CDA in den Niederlanden, über Erfahrungen und Learnings in ihren Ländern. Ein Blick über den nationalen Tellerrand ist garantiert.

Alles weitere direkt bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Lernen von Obama im Netz

Himmelfahrt naht und damit auch ein langes Wochenende für viele von uns. Zeit für ein gutes Buch,  sofern Freunde, Familie und Kinder Platz lassen.

Ein heißer Tip ist das vor wenigen Tage in Berlin vorgestellte  ”Lernen von Obama – Das Internet als Ressource und Risiko für die Politik” der Bertelsmann Stiftung, das unterschiedliche Sichtweisen aus Praxis und Wissenschaft auf dieses Thema versammelt. Neben den unvermeidlichen Allgemeinplätzen wie dem, dass man Kommunikation in den USA und in Deutschland nicht gleichsetzen kann, steht eine Frage im Mittelpunkt des Buchs: wie lässt sich die Online-Wahlkampfkommunikation in Online-Regierungskommunikation übertragen?  Die hohen Erwartungen an die Online-Kommunikation der Obama-Administration sind inzwischen deutlich verändert. Regierungskommunikation braucht nämlich ein langsameres Tempo und andere Strategien als der Wahlkampf wie auch das Obama-Team feststellen muss. Weil die bisherigen Bewertungen des deutschen Online-Wahlkampfes vorsichtig gesagt nüchtern sind, wird es um so spannender zu sehen, was vor und nach der Wahl in Deutschland Online passieren könnte und wird.  Das Buch gibt dazu erste Hinweise.

“Lernen von Obama” gibt es direkt bei der Bertelsmann Stiftung oder hier.

Senden Sie noch oder twittern Sie schon? Wahlkampf und Web 2.0

So lautet der Titel einer Vorlesung, die Barbara Witte, Professorin für Rundfunkjournalismus und Onlinekommunikation an der Hochschule Bremen, kommenden Montag am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der FU Berlin hält.  Die Vorlesung ist Teil der Reihe „apropos Wahlkampf – Politik und Medien im Superwahljahr 2009“. Wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit dem Thema sind bisher rar, es sind neue Impulse zu erwarten.

Die Vorlesung findet statt am 18.05.2009 von 18:00 bis 20:00 Uhr im Otto-Suhr-Institut der Freien Universität, Hörsaal A, Ihnestraße 21, 14195 Berlin (U-Bahnhof Thielplatz, U3)

Wer nicht persönlich teilnehmen kann: die Veranstaltung wird auch per Live-Stream und Twitter übertragen, weitere Informationen hier.

Amnesty Campaigning

Schöner Case von Amnesty International UK.

Amnesty International UK legt eine detaillierte Auswertung ihrer Kampagnen für die Aktionsplattform Protect The Human vor. Hier wird deutlich, mit Social Media arbeitet man am erfolgreichsten, wenn man Plattformen und Netzwerke wie Facebook, Myspace, Twitter, Flickr oder YouTube als Bestandteile einer übergreifende Massnahme versteht und gezielt mit Muliplikatoren arbeitet.

via kakoii-blog

Grün denken & digital kommunizieren

Durch soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook oder Plattformen wie YouTube steigt der Druck auf Unternehmen, angekündigte CSR-Maßnahmen ehrlich und langfristig umzusetzen. Fehlende Glaubwürdigkeit wird durch Verbraucher schnell erkannt und als Greenwashing-Kampagne zum beliebten „Zwitscher“-Thema im Netz – mit oftmals weitreichenden Folgen für Produkt und/oder die Corporate Brand.

Warum die sozialen Netzwerke daher nicht gleich in die eigenen, ehrlich gemeinten CSR-Aktivitäten einbinden und die Stärken von Social Media nutzen? Aber wie? „Brendan May, Managing Director of Planet 2050 and James Warren, Digital Creative Officer at Weber Shandwick, haben hierfür “goldene Regeln” entwickelt.

Till Schweiger twittert?!

Gutes Konzept, Blogger zu Dreharbeiten von einem Werbclip einzuladen. Nicht nur Thomas vom Stylewalker war vor Ort , sondern auch Marcel von Amy Pink und Sandra von Gossipgirlz.

Der Clip sollte für einen speziellen Rasierer mit Till Schweiger gedreht werden. Da Thomas früher gehen musste, konnte er Till nicht mehr treffen.


Nina Knecht über Social Media bei Braun und P&G from Stylewalker on Vimeo.

Im Anschluß konnte Nina Knecht noch berichten:
“So ist z.B. das beworbene Produkt eine Kooperation zwischen Gillette und Braun und u.a. durch die Innovationsoffensive von P&G, die auch von einem inzwischen recht bekannten Innovationsportal begleitet wird, entstanden (man vergleiche die Story mit den bedruckbaren Chips). Unterhaltsam waren auch Details aus der Rasier-Forschung: Jeder Mann denkt doch, alle rasierten sich gleich, aber weit gefehlt: Die Forschung registriert verschiedenste Druckstärken, Geschwindigkeiten, Frequenzen und sonstige Spektren von Verhaltensweisen.”

Ein Corporate-Twitter macht noch keinen Social Media-Sommer

Alle warten sehnsüchtig auf den Frühling, und in Vorfreude twittert es wild über das Internet. Besonders laut wird gerade in Agenturen diskutiert, wie und ob Corporate Twitter ein valider Weg zu Kunden und Nutzern ist. Wir bei Weber Shandwick haben mit dem T-Mobile G1 Twitter unseren Anteil daran.

Auch wenn wir Twitter für uns und unsere Kunden einsetzen, sind beileibe nicht alle kursierenden Corporate Twitter-Ansätze gut für die langfristige Akzeptanz von Twitter als PR-Kanal. Es entstehen beängstigend viele Corporate Twitter-Konzepte, die besser Pressemitteilungen geblieben wären. Zu oft haben die Twitter-Ansätze keine Substanz und Strategie, sie diskreditieren letztlich den Corporate Twitter.

Die Corporate-Twitter-Inflation ist symptomatisch für den derzeitigen Wandel in der PR und den Agenturen. Denn wer heutzutage Social Media nicht im Leistungsportolio stehen hat, gilt bestenfalls als antiquiert, schlimmstenfalls dem Untergang geweiht. Bei aller Begeisterung über die neue Medienwelt: Wirklich sinnvolle Ansätze funktionieren eigentlich nur, wenn nicht nur mehrere Social Media-Kanäle bespielt, sondern zudem auch auf das engste mit den Old School-PR-Aktivitäten verzahnt werden. Wir bei Weber Shandwick sprechen dann von Inline, einer ganzheitlichen Betrachtung von Zielgruppen, deren Medienverhalten und der daraus resultierenden Ansprache von offline bis online.

Für den Launch des T-Mobile G1 in Deutschland haben wir nicht nur Twitter eingesetzt, sondern mit einem Themenblog einem Newsaggregator und einem Blogger-Event sowie Auftritten auf den Branchenveranstaltungen den Diskurs im Social Web aufgenommen. Einher gingen klassische PR-Maßnahmen wie Pressekonferenz, Testgeräte-Previews und Medienkooperationen. Twitter darf nicht Selbstzweck sein, sondern nur Teil eines wohlabgestimmten PR-Instrumentariums. Und das wird im Twitter-Hype zu oft ausgeblendet.

Ein Corporate-Twitter macht noch keinen Social Media-Sommer – aber Lust auf mehr.