Marken und Blogger
Viel wird im grade über das Verhältnis von Marken und Bloggern, Twitterati, Facebookern etc. geredet. Hier ein schönes und sehr gutes Zitat von Julia Knolle:
Marken sollten ihr Budget viel öfter in Jemanden investieren, der eine großartige Arbeit an der Zielgruppe machen kann. Eben über Internet und Social Media. Einer grossen schwedischen Bekleidungskette habe ich vorgeschlagen Fashion-Blogger stärker zu integrieren, um ihre STORES ZU PUSHEN. Warum nicht fünf Bloggerinnen eine Einladung zum Bloggerevent schicken und sie das spreaden lassen. Wenn man Bloggern das Gefühl gibt, für ihre Arbeit geschätzt und gezielt ausgewählt zu werden, dann LÄUFT DIE SACHE. Aber viele Marken glauben, dass Aufwand und Nutzen in keiner Relation stehen. Dabei ist der Aufwand gering und der Nutzen riesig, wenn man weiss wie es geht…
Streetstyle-Blogger nach München geholt
Wie man A-Blogger aktiviert, zeigt ABSOLUT eindrucksvoll. Unter dem Motto “Gipfeltreffen der Stilelite” kuratierte der schwedische Wodkahersteller in München eine Ausstellung internationaler Style- und Fashionblogs. Vom 19.06.-24.06 2009 wurden die persönlichen Visionen einer “perfekten Welt” der eingeladenen Blogger gezeigt. Die Ausstellung ist Teil der globalen Kampagne “IN AN ABSOLUT WORLD” und zeigt Street Fashion Fotografien, Party Snapshots und Design- und Kunstexponate der jeweiligen Blogger.
Damit packte ABSOLUT die Damen und Herren bei der Ehre. Denn wer als A-Blogger verifiziert und eingeladen wird, fühlt sich als Teil der deutschen Stilelite schon mal per se geschmeichelt. Wer zudem aufgefordert wird, sich aktiv an der Ausstellung zu beteiligen, schreibt auch selbst darüber. Mit dabei waren bekannte Blogger wie Facehunter, Glamcanyon, F&Art, Bryanboy, Show me your wardrobe, Stil in Berlin, Les Mads, The Cobrasnake, Hel Looks und Playlust). Auch wenn nicht jeder vor Ort sein konnte: Fashion-Freunde und die Blog-Anhängerschaft freuten sich über so viel geballte Mode-Kompetenz.
Till Schweiger twittert?!
Gutes Konzept, Blogger zu Dreharbeiten von einem Werbclip einzuladen. Nicht nur Thomas vom Stylewalker war vor Ort , sondern auch Marcel von Amy Pink und Sandra von Gossipgirlz.
Der Clip sollte für einen speziellen Rasierer mit Till Schweiger gedreht werden. Da Thomas früher gehen musste, konnte er Till nicht mehr treffen.
Nina Knecht über Social Media bei Braun und P&G from Stylewalker on Vimeo.
Im Anschluß konnte Nina Knecht noch berichten:
“So ist z.B. das beworbene Produkt eine Kooperation zwischen Gillette und Braun und u.a. durch die Innovationsoffensive von P&G, die auch von einem inzwischen recht bekannten Innovationsportal begleitet wird, entstanden (man vergleiche die Story mit den bedruckbaren Chips). Unterhaltsam waren auch Details aus der Rasier-Forschung: Jeder Mann denkt doch, alle rasierten sich gleich, aber weit gefehlt: Die Forschung registriert verschiedenste Druckstärken, Geschwindigkeiten, Frequenzen und sonstige Spektren von Verhaltensweisen.”
All Blogs Are Not Created Equal | State of the Blogosphere 2008
Diese Nachricht kann man zunächst einmal aus der frisch veröffentlichten Studie von Technorati – State of the Blogosphere 2008. Seit 2004 wird diese Studie von Technorati nun schon aufgelegt und analysiert Trends und Themen rund ums Blogging. In der aktuellen Studie geht man allerdings noch einen Schritt weiter um Insights von und über Blogger im Allgemeinen zu dokumentieren. Dazu wurden erstmalig Blogger aktiv in die Studie eingebunden und gebeten, Aussagen zu Ihrem Leben, den verwendeten Tools, ihrer Zeit und ihren Ressourcen, die sie zum bloggen aufwenden, zu tätigen. Hinzu kommt, dass sie Aussagen hinsichtlich des Einfluss von Blogging auf ihre persönliche, berufliche und finanzielle Situation auswirkt. Das Ergebnis gibt einen sehr guten Einblick in das Leben und Denken eines ‘blogger minds’.
Hier mal direkt ein paar Zahlen und Insights vorneweg, die Euch alle hungrig machen sollten:

Blogging is…
- A truly global phenomenon: Technorati tracked blogs in 81 languages in June 2008, and bloggers responded to our survey from 66 countries across six continents.
- Here to stay: Bloggers have been at it an average of three years and are collectively creating close to one million posts every day. Blogs have representation in top-10 web site lists across all key categories, and have become integral to the media ecosystem.
Bloggers are…
- Not a homogenous group: Personal, professional, and corporate bloggers all have differing goals and cover an average of five topics within each blog.
- Savvy and sophisticated: On average, bloggers use five different techniques to drive traffic to their blog. They’re using an average of seven publishing tools on their blog and four distinct metrics for measuring success.
- Intensifying their efforts based on positive feedback: Blogging is having an incredibly positive impact on their lives, with bloggers receiving speaking or publishing opportunities, career advancement, and personal satisfaction.
Darüber hinaus vergleicht die Studie aktuelle WEB 2.0 Zusammenfassungen/ Studien aus anderen Bereichen (der Social Media Tracker von der Universal McCann ist auch erwähnt). Und es bleibt abzuwarten, was die nächsten Kapitel mit sich bringen … ich fiebere jetzt schon Tag 5 entgegen:
Badvocacy in der Blogosphäre
Martin Oetting nimmt die 15 Punkte von Off-the-record dankend auf und verweist in diesem Zusammenhang auf einen Post, den er vor ca. 1 Jahr zum Thema negativer, ungerechtfertigter Mundpropaganda auf Blogs veröffentlicht hat.
Hier die10 Kernthesen:
1. Grundsätzlich ist es wichtig, die Blogosphäre und relevante Foren regelmäßig im Blick zu haben, um frühzeitig reagieren zu können.
2. Beginnt eine Geschichte sich auszubreiten, ist zunächst zu klären: Wo ist die Quelle der negativen Online-Mundpropaganda? Negative Meldungen fangen meistens auf einem einzelnen Blog an – es ist wichtig zu wissen, wer das Thema in die Blogosphäre getragen hat.
3. Dazu ist wichtig: Wer sind die reichweitenstarken Blogger, die solche Kritik weiter tragen? Häufig beginnen Geschichten auf kleinen Blogs und werden dann von größeren aufgenommen. Man sollte sich auch viel gelesene große Blogs ansehen, die dem Thema Aufmerksamkeit und Reichweite verschaffen. Am einfachsten kommt man der Sache auf die Spur, wenn man den eigenen Unternehmensnamen oder ein Schlüsselwort des Problems bei Technorati eingibt. Mit der “Authority”-Funktion kann man dabei die entsprechenden Blogs nach Einfluss sortieren. Aber selbst eine einfache Google-Suche kann schon wichtige Informationen liefern.
4. Anschließend sollte man für einen ersten Schritt in jedem Fall strikt vermeiden, mit rechtlichen Schritten zu drohen. Nach Androhung von Rechtsmitteln solidarisiert sich häufig die Blogosphäre mit dem betroffenen Blogger (selbst wenn dieser die Unwahrheit verbreiten sollte), es entsteht eine Art “David-gegen-Goliath-Effekt”.
5. Stattdessen ist eine transparente, direkte und ehrliche Ansprache gegenüber dem “Ursprungsblogger” sowie reichweitenstarken weiteren Bloggern, die die Geschichte verbreiten, angeraten – Blogger sind Menschen und ihre Blogs sind Instrumente des Gesprächs und des Austausches. Dies sollte man respektieren, wenn man sich an sie wendet. Nichts ist natürlicher, als mittels Kommentar sachlich und höflich auf die Kritik einzugehen und die abweichende Sicht des Unternehmens darzustellen. Dabei ist zwingend notwendig, sich auch als Angehöriger des Unternehmens zu erkennen zu geben. Das hilft dabei, Glaubwürdigkeit und Respekt aufzubauen. Wenn man dies vorher per E-Mail abspricht, kann in manchen Fällen auch ein freundliches und respektvolles Telefonat viel bewirken – wenn man beispielsweise nicht die gesamte ausführliche eigene Sicht in einen Kommentar schreiben will.
6. Je nach Schwere des Problems kann man mglw. auch ein persönliches Treffen mit beteiligten Bloggern initiieren. Wenn man sich persönlich gegenübersitzt, lässt sich manchmal noch leichter eine gemeinsame Sprache und eine Einigung finden, wie die Sache korrekterweise dargestellt werden sollte.
7. Als Unternehmen sollte man nicht erwarten, dass die Blogger einmal geschriebene Einträge wieder löschen, auch wenn Einigkeit darüber herrscht, dass die Darstellung verändert werden sollte. Auf Löschungen zu drängen, läuft dem Grundsatz von Transparenz und Nachvollziehbarkeit in der Blogosphäre entgegen. Stattdessen werden die Blogger eher neue Einträge schreiben, die die alten ergänzen oder geraderücken. Außerdem werden sie unwahre Angaben in alten Blog-Einträgen vielleicht streichen (Etwa so sieht das dann aus.) und ggf. die Streichungen dort direkt kommentieren.
8. Freiheit der Meinungsäußerung ist das höchste Gut in der Blogosphäre. Wer in seinen Reaktionen zu erkennen gibt, diese – wenn auch nur momentan und auf den Einzelfall bezogen – einschränken zu wollen, wird andauernde und z. T. sehr aggressive Reaktionen auslösen. Diese werden danach noch lange mittels Google im Web zu finden sein.
9. Ein eigenes Blog ist letzten Endes der beste Weg, um ungerechtfertigter Kritik im Dialog zu begegnen. Man hat eine eigene Plattform, auf der man die eigene Sicht der Dinge auch ausführlich darstellen kann, und mit der man sich zugleich – beispielsweise durch Trackbacks – an der Diskussion auf den anderen Blogs beteiligen kann.
10. Bei gerechtfertigter Kritik gibt es dagegen kaum ein Mittel – gerade wenn Produkte schlecht oder Dienstleistungen unbefriedigend sind, dann hat jeder Mensch, ob Blogger oder nicht, das gute Recht, das auch anderen mitzuteilen. Blogger tun dies im Netz und lesbar für andere. Damit müssen Unternehmen leben und schlicht ihre Leistungen verbessern.
Blogger ansprechen?!
Wie spricht man eigentlich Blogger an? Ein großes Thema. Off-the-record haben 15 Punkte im Umgnag mit Bloggern aufgestellt:
- Das Blog zumindest grob anlesen, dass man ansprechen will.
- Nur Informationen zuschicken, die zum Themenschwerpunkt des Blogs passen.
- Keinen Erstkontakt per Telefon eröffnen, außer man kennt den Blogger persönlich.
- Persönliche Mail, kein Massenanschreiben.
- Das Anschreiben íst wie eine Bewerbung. Also zeigen, dass man den Blog kennt.
- Blogger erkennen PR-”Gewäsch” schnell. Sie wollen Fakten und keine Adjektive.
- Blogger bestimmen erst einmal nach Lust und Laune, worüber sie schreiben. Der “Newscharakter” kommt erst an zweiter Stelle.
- Auch Hintergrundinfos zu einem Posting sind willkommen.
- Blogger mögen exklusive Stories und dazu passende Bilder.
- Blogger bieten keine Autorisierung von Postings oder Zitaten an.
- Blogger kennen keine Sperrfristen.
- Produkte zum Testen – auch als Geschenk – sind erlaubt, aber man hat keinen Einfluss, was der Blogger dazu schreibt und ob er überhaupt was schreibt.
- Lügen haben im Web ganz kurze Beine und langen Atem. Pflicht zur Kommunikation mit offenem Visier.
- Bevor man den Blogger direkt kontaktiert, kann man zu einem Thema auch in Kommentaren im Blog Stellung beziehen. Auch hier gilt: Mit offenem Visier. Absender und Interessenslage (Kunden, Unternehmen) deutlich machen.
- Nicht nachfassen, ob die Mail angekommen ist und wann denn das Posting erscheint. Blogger sind keine Journalisten.



