re:publica Rückblick – Neutralität der Plattformen

(Photo by srbanister under Creative Commons license.)
Eine Zusammenfassung der diesjährige re:publica – der Konferenz für Soziale Medien und Digitale Gesellschaft in Berlin – fällt zum einen sehr leicht: Neue Location … sehr angenehm. Talks und Sessions … hm naja. Andererseits ist es aber auch gar nicht möglich eine Veranstaltung wie die republica zu bewerten. Denn man kann sich nie alle Vorträge ansehen, alle Gespräche führen oder zu jeder Stunde zu allen Tagen vor Ort sein. Und am Ende ist es wie immer: Ich gehe gerne auf die re:publica, um dort ein paar Online-Bekannte wiederzusehen, neue Leute kennen zu lernen, hier und da einen guten und einen ärgerlichen Vortrag zu sehen.
Wie viele re:publica Besucher finde auch ich: Im Vergleich zum letzten Jahr gab es weniger Panels, die beeindruckend waren. Insgesamt war das Niveau der Sessions nicht so, wie ich mir das gewünscht habe. Das kann auch an dem Grassroot-Ansatz der re:publica liegen. Die TED Konferenz beispielsweise achtet sehr darauf, dass die Beiträge ausgereift und durchchoreografiert sind. Aber will man das? Das fehlt natürlich bei der re:publica, denn sie ist keine Konferenz, bei der man sich mit kurzen, unterhaltsamen Happen berieseln lassen soll, um danach die Inhalte zu „versmalltalken“ und Visitenkarten auszutauschen. In diesem Jahr ging es eher darum, den neuen Veranstaltungsort einzuweihen – das ist gelungen. In den kommenden Jahren werden wir sehen, wie die re:publica diesen Ort mehr und mehr mit Inhalten und Experimenten ausfüllen wird. Raum genug ist vorhanden.
Hervorstechend am ersten Tag war Eben Moglen, der in seiner Session „Why freedom of thought requires free media and why free media require free technology” sehr eindringlich zeigte, welchen Stellenwert freie Software in unserer Gesellschaft haben sollte. Bei aller heutigen Gedanken- und Partizipationsfreiheit im Internet vergessen wir schnell, dass wir unsere Gedanken meist schon im nächsten Moment in Software und auf Plattformen gießen, die nicht „frei“ sind und damit die Rechte an unseren Inhalten an Fremde übertragen, die sie für wie auch immer geartete Geschäftsinteressen nutzen können.
Sascha Lobo hat nach anfänglicher Ladehemmung gut unterhalten und das Publikum bei der Stange gehalten. Er schlägt im Prinzip in die gleiche Kerbe wie Eben Moglen, wenn er den re:publica Teilnehmern zu ruft, „macht mehr Blogs!“, und das Jahr 2012 als das Jahr der Blogs ausruft. Was hat das mit offener Software zu tun? Es geht um Plattformneutralität. Eigener Herd ist Goldes wert. Nur eine eigene – selbstgehostete – Website sei beständig, der ganze andere Rest – Facebook, Twitter und Co.- sind nur geborgt und könnten im nächsten Augenblick wieder verschwinden:
“Ein Schritt zurück. Erst kürzlich hat Lobo für Spiegel Online in einer seiner lesenswerten Kolumnen darauf hingewiesen, dass – selbstgehostete – Blogs das einzig wahre, da eigene Tool seien, das uns nicht von heute auf morgen weggenommen werden könne. Twitter, Facebook, Instagram, Foursquare, tumblr, Slideshare, YouTube, … die Liste der gerne und viel genutzten Dienste ist lang. Allerdings steckt da der Teufel im Detail. Es sind Dienste, die zu nutzen uns angeboten wird. Sie sind nicht unser Hab und Gut. Wenn von heute auf morgen ein Service aufgekauft respektive integriert wird, dann ist die Frage “Was passiert mit meinen bislang gespielten Inhalten?” reflexhaft da. Dieses Netz ist nur geborgt.” (Daniel Rehn: Mehr Spaß, weniger Ego: Wir haben die Renaissance des Bloggens selbst in der Hand)
Wenn die Plattform verschwindet, was passiert mit den bislang gespielten Inhalten? Die Frage ist schnell beantwortet: Ich habe schon diverse Internetplattformen kommen und gehen sehen. Im Zweifelsfall bleibt von der einst lebhaften Community ein Gerippe aus Karteileichen oder von einer Website, die einst von wertvollen Inhalten ihrer User profitierte, bleibt nach Verkauf und Abwicklung nur noch eine traurige Domain übrig.
Das Thema Neutralität von Plattformen durchzog dann auch viele der Gespräche, die ich auf der re:publica führte. Und schließlich kontextualisierte am Nachmittag des letzten re:publica Tages mein Freund Michael Seemann mit seinem Vortrag zu „Infrastruktur und Kontrolle – Plattformneutralität als Politik emergenter Strukturen“ noch einmal den Blick auf dieses Thema über den Tellerrand des Internets hinaus.
Was nun Plattformneutralität für Unternehmen bedeutet, die sich in Social Media engagieren, ist offensichtlich. Unternehmen, die sich in ihren Social Media Aktivitäten heute auf nur eine externe Plattform wie z.B. Facebook stützen, laufen Gefahr, dass eines Tages diese Plattform nicht mehr das Maß aller Dinge im Social Web ist. Die One-Size-Fits-All Mentalität von Facebook und all den anderen Webseiten-Baukastenlösungen haben ihre Grenzen. Ein eigenes, selbst gehostetes Unternehmensblog kann dagegen als Leuchtturm in der Welt der Sozialen Medien dienen, beständig ausgebaut und den sich ändernden Social Media Welten angepasst werden. Gleichzeitig besteht langfristig die Hoheit über Inhalte und Selbstdarstellung des Unternehmens. Daher ist es nicht nur für Blogger, sondern auch für Unternehmen empfehlenswert, eine eigene Social Media Homebase langfristig zu etablieren und diese mit den jeweils relevanten Social Media Plattformen zu verknüpfen. Es ist wie in der Fußgängerzone: Die eigene Homepage ist ihr Geschäft, die Social Networks dienen als Promo-Stand in der Fußgängerzone, um Kunden ihr Geschäft zu präsentieren und zum Eintritt zu bewegen.
Journalisten und Blogger
Journalisten und Blogger rücken allmählich in ihrer Wahrnehmung enger zusammen:
Mit bloxpert.de hat Nicole Simon einen einfachen Dienst geschaffen, über den Journalisten an Blogger Interview Anfragen etc. richten können.
Gut finde ich, dass man damit das Dilemma umgeht kann, immer die gleichen Vorzeigbelogger zu interviewen. Die konkrete Recherche nach Blogs und die Auseinandersetzung mit den Themen des Blogs selber wird einem dadurch jedoch nicht erspart.

Daniela Hinirchs, Pressesprecherin von Xing erläutert in einem Interview mit Turi2, welche Bedeutung heutige Pressearbeit in dem Spannugsfeld von Journalisten, Blogs, Bloggern und Twitter hat.
Sehr schönes Statement:
via Cem Indiskretion
Memetracker
Presidential Watch 08
Tonnenweise werden wir gerade überschwemmt mit Regressionsanylsen, Umfrageergebnissen und Trackings zu den anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA. Presidential Watch 08 liefert derzeit als einzige Plattform eine in Echtzeit erstellte, sich dynamisch verändernde Karte, die gespeist wird aus 533 verschiedenen Websites. Das ist mal wirklich beeindruckend und definitiv valider ist als eher unterhaltsame emotionale Momentaufnahmen wie TWISTORI und WE FEEL FINE derzeit sind. Die verlinkten Seiten werden hinsichtlich ihrer politischen Orientierung bestimmten Farben zugeordnet. Das Ergebnis wird dann in einem großen Streuungs-Diagramm ausgegeben.

Mehr Raum für Emotionen | wefeelfine.org
Alle zehn Minuten werden Emotionen aus aus LiveJournal, MSN Spaces, MySpace, Blogger, Flickr, Technorati, Feedster, Ice Rocketund Google zusammengetragen und in einer Wolke aus positiven und negativen beschreibeneden Begriffen dargestellt. Diese Liveemotionen aus aller Welt bieten eine Fülle von Consumer Insights unmittelbar nach einem Erlebnis oder aus einer Laune heraus.

wefeelfine.org sammelt dabei alle Emotionen die positiv oder negativ belegt sind und in einem der o. g. Blogs geposted wurden. Es gibt einige Zuastzfunktionen auf der Site, so kann man sich zum Beispiel ein Ranking der am häufigsten verwendeten egriffe von Männern zwischen 30 und 39 anzeigen lassen. Das war Übrigens gerade ‘hungry’… also dann mal Mahlzeit und viel Spaß beim Emotionenfangen.


