Was, wenn es keine digitalen Krisen und Flops mehr gibt?

2010 wird das Jahr für Social Media. Dies verkündeten zumindest die meisten Vorhersagen des vergangenen Jahres. Digitale Aspekte unterwandern immer subtiler und effizienter unseren Medienkonsum, dem muss die PR und Kommunikation Rechnung tragen. Interaktion, Transparenz und Teilnahme an Online-Konversationen sind die Gebote der Stunde. So viel zu den Schlagworten.

Doch was passiert im Idealfall, in der jede PR und Social Media-Aktion 2010 ein Volltreffer wird? In der Unternehmen erst das Gespräch suchen, dann abmahnen? Jede Kampagne handwerklich sauber ausgeführt ist und vor Authenzität strotzt? Abgesehen davon, dass der Hashtag #fail in Vergessenheit geraten dürfte, wäre es wohl dann die große Herausforderung,  der zunehmend anspruchsvollen Zielgruppe einen echten Mehrwert zu bieten und somit aus der Menge herauszuragen.

Kreativität und ansprechendes Storytelling wären nötig. Geschieht dies aber nur im digitalen/analogen Raum und gelingt es nicht, konsistente Stories on- und offline zu erzählen, bleiben alte Silos bestehen. Im Sinne von Einflussfaktoren auf Kaufentscheidungen haben uns die Ergebnisse der Studie vom Juli 2009 darin bestärkt, dass Inline-Denken und -Umsetzung zentrale Bestandteile von PR-Kampagnen sein sollten. Inline betreibt Kommunikation konsistent über jene Medien, die den nachhaltigsten Einfluss auf die Zielgruppe ausüben.

Und wenn wir gerade über Zielgruppen sprechen: Die scheinen beim Nachrichtenkonsum ebenso “inline” zu präferieren. Das jedenfalls sagt eine Analyse der größten deutsche Nachrichtenportale im Netz von contentmanufaktur. Auf Grundlage von AGOF, IVW, Google Ad Planner und Searchmetrics trifft sie folgende Aussage:

In der Spitzengruppe ist das Ergebnis klar: Die Nutzer und Werber sehen Bild.de und Spiegel Online als DIE deutschen Nachrichtenseiten – Google dagegen Focus Online und Welt Online. Und am unteren Ende der von uns betrachteten Webnews-Seiten sind ebenso immer die gleichen: Seiten, die ohne Print-Unterstützung arbeiten. Wir hatten auch nachrichten.de und nachrichten.com in der Betrachtung – aber die waren bei den meisten Tools gar nicht zu finden.

Die Kombination klassischen Medien und Online scheint – für Nachrichtenseiten – also top zu sein. Da sind sich IVW, AGOF und Google überraschend einig.

Überspitzt formuliert: Was den Erfolg über die ersten Plätze bei Nachrichtenseiten ausmacht, gilt genauso für PR und Kommunikation. Und zwar nicht nur für den (eher) unwahrscheinlichen Fall, dass digitale PR-Flops und Krisen 2010 ausbleiben.

Social Kreuz

Wie man auf einfache, aber gezielte Weise Social Media für eigene Kampagnen nutzen kann, zeigt das Rote Kreuz in den USA. Um die Öffentlichkeit und die Betroffenen über die verschiedenen Maßnahmen des Roten Kreuz im Zuge des Hochwassers zu informieren, werden verschiedene Social Media Tools zum Einsatz gebracht:

  1. Weblog: Zentrale Anlaufstelle ist ein Weblog, das auf WordPress.com aufgesetzt worden ist, also der webbasierten Blogplattform. Der Vorteil: ein Weblog ist sehr schnell inkl. Domain eingerichtet, man muss sich nicht um die Software kümmern und kann innerhalb kürzester Zeit loslegen. Konzipiert ist das Weblog in diesem Fall als Online-Newsroom, das heißt, hier laufen alle Informationen zusammen.
  2. Fotoplattform: Das amerikanische Rote Kreuz nutzt die Fotoplattform Flickr, um dort Fotos und Videos von der Katastrophe zur Verfügung zu stellen. Fotos und Videos dokumentieren das ganze Geschehen, sprechen die Menschen an und lassen sich leicht in das Weblog einbinden. Wertvoll erscheint mir Rex Hammocks Hinweis, von der Fotoplattform auf das Weblog zu verweisen bzw. zu verlinken. Statt Flickr kann man bei uns unter anderem auch Sevenload nutzen.
  3. Google Maps: Mit Hilfe von Google Maps wird gezeigt, wo überall das Rote Kreuz aktuell im Einsatz ist. Die Karten lassen sich natürlich auch wieder in verschiedene Websites einbinden.
  4. RSS: Für jeden Bundesstaat wurde ein eigener RSS-Feed eingerichtet, so dass ich nur die Informationen erhalte, die für meinen Bundesstaat relevant sind. Abonnieren lassen sie sich über das Weblog.
  5. Slideshows: In Ergänzung zu den Fotos auf Flickr stellt das Rote Kreuz auch Slideshows zusammen, in diesem Fall wird die Plattform slide.com genutzt. Die aus Fotos bestehende Präsentation liefert eindrückliche Bilder und kann in Websites eingebunden werden.
  6. Videoplattform: Zum Einsatz kommt YouTube, die wohl bekannteste Videoplattform. Der Vorteil: einerseits lassen sich die Videos leicht in das WordPress-Blog einbinden. Zweitens stellt YouTube auch eine Möglichkeit dar, Menschen über den Einsatz des Roten Keuz zu informieren und auf das Weblog hinzuweisen.
  7. Podcast: Mit Hilfe von Utterz lassen sich Podcasts direkt in das Weblog, aber natürlich auch in andere Websites einbinden. Eingabegerät ist das Handy, womit die Möglichkeit gegeben ist, dass die Einsatzkräfte direkt vor Ort kurze Statements abgeben können. Authentischer geht es nicht mehr.
  8. Twitter: Die Kurzinformationen werden über einen eigenen Twitterkanal verteilt, den die InteressentInnen abonnieren können. Maximal 140 Zeichen sind möglich.

via: Das Kulturmanagement Blog